Magazine: BND-Informant in Liechtenstein-Affäre hat Todesangst

Berlin - Der Informant des Bundesnachrichtendienstes (BND) in der Liechtensteiner Steuerhinterziehungsaffäre hat nach Darstellung mehrerer Medien Angst um sein Leben. Nach Informationen des Hamburger Magazins "Der Spiegel" beschwerte sich der unter neuem Namen lebende Mann per Mail beim BND über seine Enttarnung und fordert einen abermaligen Wechsel seiner Identität.

Das Münchner Magazin "Focus" berichtete ebenfalls am Samstag vorab, der Mann habe sich mehrfach per E-Mail und am Telefon bei seinem Agentenführer gemeldet. Er habe dem BND vorgeworfen: "Ihr gefährdet mein Leben."

Der Informant hatte dem BND brisante Daten über Kunden der Bank LGT in Liechtenstein verkauft. Dem deutschen Auslandsgeheimdienst war es nicht gelungen, die Identität des Informanten zu schützen. Laut "Focus" verlangte er "verängstigt eine neue Identität vom BND, um damit eventuell in Südamerika unterzutauchen". Der Geheimdienst lehnte demnach vorerst ab. Der BND-Informant ist laut "Focus" inzwischen von Australien nach Europa zurückgekehrt und hat Nachforderungen gestellt.

Die Angst des Mannes hat laut "Spiegel" auch mit ausländischen Potentaten zu tun, die zur Kundschaft der LGT zählen. Mitglieder der saudischen Königsfamilie sind offenbar darunter, ebenso der im Januar verstorbene Ex-Diktator Suharto, der nach Angaben der indonesischen Justiz über eine Milliarde Euro beiseitegeschafft habe.

In der Hoffnung auf Straferlass zeigen sich laut "Spiegel" immer mehr deutsche Kunden der LGT selbst an. 134 der mehr als 600 Betroffenen hätten das bis zum vergangenen Freitag getan, darunter Inhaber namhafter Firmen aus der Textil- und Kosmetikbranche. Die höchste gemeldete Steuerhinterziehung soll bei zehn Millionen Euro liegen. Bei Selbstanzeigen ist nur der hinterzogene Betrag plus sechs Prozent Zinsen zu zahlen, im Fall eines Strafverfahrens ist zusätzlich eine hohe Geldstrafe und möglicherweise auch eine Freiheitsstrafe fällig.

Die Bochumer Steuerermittler wollen nach Angaben des "Spiegels" ihre Hausbesuche erst nach den Osterfeiertagen fortsetzen. Die Wuppertaler Steuerfahndung, die die bisherigen DVDs besorgt habe, interessiere sich sehr für weiteres Material aus dubiosen Quellen. Es geht laut "Spiegel" um rund 2700 Datensätze deutscher Kunden der Liechtensteinischen Landesbank, die ein Schwerkrimineller gegen Strafminderung anbietet.

Das liechtensteinische Staatsoberhaupt, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, will unterdessen laut "Focus" der Bundesregierung entgegenkommen und sich bereiterklären, auch Stiftungseinkünfte von Deutschen zu besteuern. Die Steuer solle anonym, aber vollständig an den hiesigen Fiskus abgeführt werden. Insgesamt kalkulieren die Finanzverwalter des Fürstentums mit einem jährlichen Überweisungsvolumen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro. Die Liechtensteiner hegen die Hoffnung, sie könnten mit dieser Offerte das international umstrittene Stiftungsmodell retten. dpa rm yydd z2 ll

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