Maget: "Das Nadelöhr liegt in Österreich"

- Franz Maget ist neuer Chef der internationalen Sozialdemokraten in den Alpenländern. Bayerns SPD-Fraktionschef wurde von den Parteifreunden aus Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Baden-Württemberg für zwei Jahre gewählt. Schwerpunkt-Thema der Amtszeit wird der drohende Verkehrskollaps.

Glückwunsch zum Amt. Werden Sie mehr sein als ein politischer Alm-Öhi?

Maget: Die Alpen sind mehr als nur Romantik, sondern eine spannende, wirtschaftlich enorm erfolgreiche Region…

… die im Verkehr erstickt. Können Sie etwas anschieben beim Brenner-Basis-Tunnel?

Maget: Der Schlüssel für die Lösung liegt in Österreich. Italien und Deutschland haben größtes Interesse an einer besseren Schienenverbindung, aber seit 20 Jahren wird nur geredet.

Es gibt auf deutscher Seite noch nicht mal Gleise.

Maget: Deutschland würde mit den Zulaufstrecken zum Tunnel zeitnah fertig werden. Was nutzen die aber, solange noch kein Tunnel da ist? Das Hauptproblem liegt auf der österreichischen Seite. Es hapert wie immer am Geld ­ und daran, dass man auf der Straße noch irgendwie durchkommt.

Ihre SPÖ-Parteifreunde wollen ja in Wien regieren. Machen Sie denen doch mal Beine.

Maget: Es ist sicher ein Vorteil, wenn das in Österreich eine SPÖ-Regierung angehen kann. Für unsere erste Fachtagung im Frühjahr wird das das wichtigste Thema sein.

Wird‘s was mit dem Brenner-Basis-Tunnel vor dem St.-Nimmerleins-Tag?

Maget: Wir müssen allein mit zehn Jahren Bauzeit rechnen. Der Tunnel geht bestimmt nicht vor 2020 in Betrieb, aber selbst für diesen Termin wäre es jetzt höchste Eisenbahn. Wir erwarten ein drastisch steigendes Verkehrsaufkommen und können so kaum die nächsten zehn Jahre durchhalten.

Sehen Sie Ausweichrouten speziell für bayerische Unternehmen?

Maget: Die Schienenstrecken über die Schweiz sind die einzigen funktionierenden Trassen durch die Alpen. Die Schweiz hat da vorausschauender geplant. Kurzfristig brauchen wir in Bayern deshalb eine bessere Schienenanbindung Richtung Lindau. Da haben wir positive Signale vom Bundesverkehrsminister. Eine Alternative wäre auch die Strecke über Salzburg und Tauern nach Triest. Das Nadelöhr ist hier aber wieder in Österreich. Dort fährt noch eine Eisenbahn aus Kaiser Franz Josefs Zeiten.

Auf der Brenner-Autobahn greifen immer mehr Fahrverbote. Schikanieren uns die Ösis?

Maget: Nein. Die Zahl der Lkw wurde klar kontingentiert und zuletzt sogar noch weiter erhöht. Das Inntal darf aber auch keine endlose Lkw-Schlange sein.

Das Interview führte Christian Deutschländer.

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