MAN-Beschäftigte vertrauen Piëch

München - MAN wird zunehmend im Volkswagen-Konzern aufgehen. Was das für den Dax-Konzern bedeutet, ist noch nicht klar. Die Arbeitnehmervertreter aber fühlen sich unter dem Wolfsburger Dach recht woh

Ferdinand Piëch pokert weiter. Der mächtigste deutsche Automanager, der den Aufsichtsräten von Volkswagen und MAN vorsitzt, lässt sich – was die Zukunft beider Konzerne anlangt – weiterhin nicht in die Karten schauen. In einer Pflichtmitteilung, die MAN aufgrund des Machtzuwachses des Großaktionärs VW versenden musste, hätte dieser die Strategie darlegen sollen, die er mit der Tochter MAN verfolgt. Davon steht aber nichts drin. Dafür Bekanntes: Man halte sich alle Optionen offen.

Dabei ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann VW einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag durchsetzt. Mit einer solchen Konstruktion steuert Volkswagen auch die Tochter Audi. Die notwendige Mehrheit von 75 Prozent der MAN-Stammaktien hat VW inzwischen.

Doch es irritiert, dass VW weiter MAN-Aktien aufkaufen will. Das kann bedeuten, dass Wolfsburg seine MAN-Anteile auf die nächste Meldeschwelle von 95 Prozent aufstocken will und das Herausdrängen der verbliebenen Kleinaktionäre (Squeeze-Out) anstrebt. Das will Volkswagen zwar nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen.

Dazu könnte passen, dass VW inzwischen auch stimmrechtslose Vorzugsaktien von MAN aufkauft. Diese werden billiger gehandelt als Stämme, deren Inhaber müssten aber bei einem Squeeze-Out teurer abgefunden werden. Eine früher Kauf verbilligt die Sache.

Statt eines Squeeze-Out könnte VW mit einer Dreiviertelmehrheit der MAN-Vorzüge das Vorzugskapital auf rund das 20-fache erhöhen. Damit hätte MAN weiter Zugang zum Aktienmarkt. So ließe sich auch langfristig die Notierung im Dax erhalten. Das würde viele Investoren dazu zwingen, ihr Geld in das Unternehmen zu investieren.

Gegen ein Squeeze-Out spricht auch, dass VW bei Audi darauf verzichtet, die verschwindend wenigen Kleinaktionäre herrauszudrängen. Nur für sie wird mit hohem Aufwand jählich eine Hauptversammlung abgehalten.

Die MAN-Zentrale in Nordschwabing könnte aber mittelfristig einen Großteil ihrer Funktionen verlieren, wenn die wichtigen Töchter unmittelbar von Wolfsburg aus gesteuert werden.

Einen Schaden für die MAN-Standorte befürchtet der Vorsitzende des MAN-Betriebsrats, Jürgen Dorn, durch die Veränderungen nicht. Im Gegenteil: Er sieht die Interessen der Beschäftigten seit der Übernahme durch VW sogar besser aufgehoben. Er nennt dazu eine Zahl: Unter dem von Piëch abgesetzten ehemaligen MAN-Chef Håkan Samuelsson sei die Zahl der Beschäftigten von 75 000 auf 47 000 gesunken. Inzwischen seien es wieder 54 000.

Dorn hofft für das Nutzfahrzeugwerk am nordwestlichen Münchner Stadtrand sogar einen Bedeutungsgewinn: Hier werden bislang unter anderem die Antriebsachsen für MAN entwickelt und montiert. Diese seien die profitabelsten im Konzern. Das heißt: Sie können auch bei Scania verbaut werden. Umgekehrt könnte MAN die Schaltgetriebe der schwedischen Konzernschwester einsetzen. Bisher kauft MAN diese Teile bei einem Zulieferer.

Ungefährdet ist nach Dorns Einschätzung auch die Produktion der Fahrerhäuser in München. Denn diese seien markenprägend. Auch gemeinsame Motoren von MAN und Scania werde es eher nicht geben. Käufer eines Scania wollen im Fahrzeug auch einen Motor ihrer Marke haben. Und auch MAN-Kunden wollen auf die drei Buchstaben auf dem Gehäuse ihres Motors nicht verzichten.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass durch die jüngsten Änderungen im MAN-Management, die beiden wichtigsten MAN-Geschäftsbereiche, die auch rechtlich eigenständige Aktiengesellschaften sind, gestärkt wurden. Der neue Personalvorstand von MAN, Jochen Schumm, übernimmt beispielsweise die gleiche Funktion auch bei der Nutzfahrzeugtochter und wird dort Arbeitsdirektor.

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen, der früher einmal MAN-Diesel geleitet hat, ist künftig im VW-Reich für das Industriegeschäft mit Motoren zuständig. Dies umfasst im wesentlichen MAN Diesel & Turbo sowie vergleichbare, aber kleinere Aktivitäten bei Scania und VW.

Umgekehrt muss Pachta-Reyhofen den Vorstandsvorsitz der MAN Nutzfahrzeugtochter abgeben. Diesen übernimmt der bisherige Scania-Vorstand Anders Nielsen. Außerdem wird der bisherige Scania-Chef Leif Östling künftig als VW-Konzernvorstand für Nutzfahrzeuge zuständig sein. Das bestätigt, dass Ferdinand Piëch beim Aufbau des von ihm geforderten integrierten Nutzfahrzeug-Konzerns vor allem auf schwedische Manager setzt.

Von Martin Prem

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