MAN-Betriebsrat befürchtet die Zerschlagung des Konzerns

- München/Wolfsburg - Ein neuer Lastwagen- Konzern unter Beteiligung von MAN, Volkswagen und Scania rückt offenbar immer näher. Es müssten aber noch viele Fragen geklärt werden, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Arbeitnehmervertreter befürchten die Zerschlagung des MAN-Konzerns und den Verlust von vielen Arbeitsplätzen.

Der Aufsichtsrat des schwedischen Lkw-Herstellers Scania mit VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder an der Spitze beriet am Sonntag über das weitere Vorgehen. Ein erstes Übernahmeangebot von MAN für Scania hatten sowohl der Scania-Aufsichtsrat als auch die beiden Scania-Großaktionäre VW und die schwedische Investor abgelehnt. Heute stellt sich Pischetsrieder Fragen von Analysten zum Einstieg von VW bei MAN.

Eine Scania-Sprecherin in Stockholm wollte sich am Sonntag nicht zur Aufsichtsratssitzung äußern. Am vergangenen Mittwoch hatte Volkswagen überraschend mitgeteilt, rund 15 Prozent an MAN übernommen zu haben. Zugleich hatte VW erneut für ein Zusammengehen von MAN und Scania unter Einschluss der brasilianischen Lkw-Sparte von VW geworben. VW hatte zugleich bekräftigt, eine vollständige Übernahme von MAN sei nicht beabsichtigt.

Den Anstoß zur Neuordnung der Branche hatte MAN mit einem 9,6 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot für Scania gegeben. Dies war aber von Scania und VW als feindlich eingestuft und zurückgewiesen worden. Am Freitag hatte MAN Scania freundschaftliche Verhandlungen über die angestrebte Übernahme angeboten. Eine Scania-Sprecherin hatte darauf aber zurückhaltend reagiert. Das feindliche Übernahmeangebot liege weiter auf dem Tisch, die Lage habe sich insofern nicht geändert.

"Der Spiegel" berichtete, Pischetsrieder habe seinen Plan für die Fusion von Scania, MAN und der VW-Lastwagensparte fertig gestellt. Demnach solle MAN-Chef Hakan Samuelsson zunächst sein ursprüngliches Übernahmeangebot für Scania zurückziehen. Anschließend solle ein Synergieteam eingerichtet werden, das paritätisch besetzt sei mit Vertretern von Scania, MAN und VW.

Es solle zügig klären, welche Gemeinschaftsprojekte sofort realisiert werden könnten, ohne dass es zu einer weiteren Verflechtung der drei Unternehmen komme. Später solle aus MAN, Scania und der Lastwagenproduktion von VW ein neuer Konzern entstehen, mit Pischetsrieder als Aufsichtsratschef. Unterdessen warnte MANKonzernbetriebsratschef Lothar Pohlmann vor einer Zerschlagung des Münchner Traditionsunternehmens.

"Das werden die Belegschaften nicht zulassen", sagte Pohlmann, der auch stellvertretender MAN-Aufsichtsratsvorsitzender ist, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zugleich drohte er mit einem "Protestmarsch nach Wolfsburg". Das Szenario sehe eine Trennung des MAN-Lkw-Geschäfts vom Restkonzern vor, hieß es in der Zeitung. "Wenn es so kommt, verhält sich der Dax-Konzern VW nicht anders als jede Heuschrecke", sagte Konzernbetriebsratchef Pohlmann.

Auch "Focus" berichtete, VW strebe die Zerschlagung von MAN und die Schaffung eines neuen Lastwagen-Riesen unter eigener Führung an. Ein MAN-Sprecher sagte dazu am Sonntag: "Eine Zerschlagung wäre nicht im Interesse der Aktionäre und des Unternehmens". Pohlmann warnte zudem vor Arbeitsplatzverlusten. Im Falle einer Zerschlagung wären auch Stellen bei MAN in Gefahr, sagte er. Volkswagen reagierte mit Unverständnis aufdie Berichte über eine MAN-Zerschlagung: "Es ist uns unverständlich, wie ein Minderheitsaktionär so etwas überhaupt bewerkstelligen kann."

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