Der angeschlagene Hersteller MAN beginnt schon in wenigen Jahren mit der Serienproduktion von Elektro-Lkw
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Der angeschlagene Hersteller MAN beginnt schon in wenigen Jahren mit der Serienproduktion von Elektro-Lkw.

Elektro statt Wasserstoff

MAN setzt auf E-Antrieb: Letzte Chance für Lkw-Tochter von Volkswagen?

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Das Diesel-Zeitalter neigt sich bei Lkw-Riese MAN dem Ende entgegen. Schon in wenigen Jahren setzt die VW-Tochter voll auf die Produktion von Elektro-Nutzfahrzeugen.

München - Die Elektrifizierung im Fahrzeugsektor macht auch vor Nutzfahrzeugen nicht Halt, im Gegenteil: Ab 2024 wird MAN erstmals Elektro-Lkw in Serie herstellen. Prototypen entstehen bereits in einem vor wenigen Monaten eröffneten Zentrum für Elektromobilität am Stammwerk nahe der Landeshauptstadt. Über die technologische Herausforderung dieses Unterfangens berichteten wir bereits.

Die Umstellung der Produktion auf die neue Antriebstechnologie wird zügig vonstatten gehen, wenngleich noch im vergangenen Jahr eine neue Generation von Diesel-Lkw vorgestellt wurde. „Der Diesel wird noch für viele Jahre in vielen Teilen der Welt eine Rolle spielen“, ließ Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vor wenigen Monaten gar wissen. Doch werden die jüngsten Transport-Neuheiten der Traton-Tochter (Volkswagen* ist Anteilseigner) allem Anschein nach die letzte Truck-Generation mit Dieselmotor sein.

MAN bringt Elektro-Lkw in Großserie - Ein Unterschied zu den großen Rivalen

Die Fokussierung auf E-Mobilität hat MAN mit anderen Branchenriesen im Lkw-Sektor gemein. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass sich das Traditionsunternehmen nicht parallel auch der Brennstoffzellentechnologie verschreibt. Zweigleisig fahren nämlich große Rivalen wie Daimler und Volvo: Sie halten sich das Forschungsgebiet, bei dem Strom aus Wasserstoff hergestellt wird, offen und treiben auch diesbezüglich Entwicklungen voran. Die Elektro-Strategie birgt für MAN somit also das Risiko, in diesem möglicherweise zukunftsfähigen Bereich dann keine Rolle zu spielen.

Der simple Grund, dass MAN eingleisig fährt, sei die Senkung der Produktionskosten. Wie das Handelsblatt schildert, könnten die Ausgaben pro Jahr um rund 1,7 Milliarden Euro sinken. Ohnehin steht das Thema Kostenersparnis ganz oben auf der Agenda, schließlich war die Lkw-Sparte zuletzt nicht rentabel. In Aufsichtsratskreisen wird laut Handelsblatt von einer „letzten Chance“ gesprochen, dass der schwächelnde Branchenriese MAN zurück in die Erfolgsspur findet. Firmenchef Andreas Tostmann wechselte schließlich von VW nach München, um MAN wieder auf Vordermann zu bringen. Auch die Streichung tausender Stellen in Deutschland geht damit einher.

MAN: Elektro-Lkw mit bis zu 1000 km Reichweite - Auch Daimler verabschiedet den Diesel

Die elektrische Reichweite des ersten Elektro-Lkw von MAN betrage laut Tostmann übrigens ca. 500 Kilometer. Dieser Wert soll mittelfristig auf bis zu 1000 km steigen. Auch im E-Auto-Bereich sind Reichweiten von rund 800 km längst keine Utopie mehr. Derweil forciert auch Rivale Daimler akribisch die Antriebserneuerung seiner Nutzfahrzeuge. Die Sparte Daimler Truck zeigt sich zuversichtlich, dass Dieseltechnologie bei Lkw in der EU schneller als politisch angepeilt auf das Abstellgleis gerät.

Man strebe an, die CO2-Emissionen* für die eigene Lkw-Flotte bis 2030 schon deutlicher zu reduzieren, als es die Staatengemeinschaft verlange, ließ kürzlich Technologievorstand Andreas Gorbach die Deutsche Presse-Agentur wissen. Dabei spiele jedoch nicht nur Elektromobilität eine Rolle: Es sei möglich, „dass wir bis 2030 schon einen Anteil von 40, 50 oder 60 Prozent an CO2-neutralen Batterie- oder Brennstoffzellen-Lkw bei unserem Absatz in der EU erreichen.“

Derweil sind E-Ladesäulen in Deutschland nicht nur Mangelware, sondern häufig auch noch illegal. Für Kunden ist das keine gute Nachricht*. (PF) *Merkur.de ist ein Teil von IPPEN-MEDIA

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