MAN: Größe als Überlebenskonzept

- München ­- Eine Fusion als Überlebensgarant? MAN-Chef Håkan Samuelsson glaubt, dass in zehn Jahren noch fünf große Lkw-Hersteller übrigbleiben. "Allein am Markt zu bleiben, ist riskant", sagte er. Mit der Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania will MAN diese Sorge loswerden. Gemeinsam wäre man der führenden Lkw-Hersteller in Europa.

Scania-Chef Leif Östling würde lieber allein bleiben. Er bekämpft die Übernahme vehement und auch mit heftigen persönlichen Attacken auf seinen früheren Mitarbeiter. Samuelsson räumt Enttäuschung über die Vorwürfe ein, bekundet aber Respekt für die Professionalität und Erfahrung des Scania-Chefs. Dieser glaube, dass Scania allein erfolgreicher sei.

Der Konflikt hat eine Vorgeschichte: Schon früher waren die Manager aneinander geraten. Als ehemaliges Scania-Vorstandsmitlgied bereitete Samuelsson die Fusion mit dem zweiten schwedischen Lkw-Bauer Volvo vor. Sein damaliger Chef Östling war gegen den Zusammenschluss, der schließlich am Verbot durch die EU-Kommission scheiterte. Samuelsson ging dann zu MAN.

Die Gefahr eines EU-Verbots besteht diesmal nicht. Die Kommission billigte das MAN-Übernahmeangebot für Scania ohne Auflagen: Auch wenn die beiden Lkw-Produzenten zusammen die Nummer eins in Europa wären und weltweit auf Platz drei kämen, gibt es mit Daimler-Chrysler, Renault, Volvo, Iveco und DAF genug starke Konkurrenten.

Laut MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung hat noch niemand das industrielle Konzept von MAN für das Zusammengehen mit Scania in Frage gestellt. Auch die Kursreaktionen werten Branchenkenner als positiv. Die Scania-Aktie ist über das MAN- Gebot von 475 Schwedischen Kronen gestiegen. "Da spekuliert jemand, dass MAN nachbessert", sagte ein Analyst. Doch dies lehnt Samulesson ebenso ab wie eine Verlängerung der Übernahmefrist über Januar hinaus.

Nicht nur Scania, auch die MAN-Aktie ist nach Ankündigung der Übernahmepläne gestiegen ­ obwohl gewöhnlich die Aktie des Übernehmers eher sinkt. "Wir sind ziemlich optimistisch", sagte Samuelsson.

Der zweitgrößte Scania-Aktionär Investor, hinter dem die Wallenberg-Familie steht, ist im Gegensatz zum größten Aktionär von MAN und Scania, Volkswagen, gegen eine Fusion. Dabei will Samulesson Scania und MAN als "Partner auf Augenhöhe" unter einem Dach führen. Durch die Zusammenführung verspricht er sich Kostenersparnis von mindestens 500 Millionen Euro im Jahr.

Neue Töne schlägt der MAN-Chef an,wenn es um die Mitarbeiter in Deutschland geht. In der Vergangenheithatte er den Standort wiederholt in Frage gestellt. Das klingt nun anders: Selbst mit der deutschen Mitbestimmung ­ sicher nicht seine Traumvorstellung ­ könne man durchaus leben. Der früher so oft von ihm beklagte Abstand der Arbeitskosten von gut 20 Prozent zu den schwedischen Konkurrenten habe sich halbiert ­ auch dank einer Betriebsvereinbarung in München; nach der für den gleichen Lohn mehr gearbeitet wird.

Dieses Modell soll auch auf das Werk in Nürnberg ausgeweitet werden. Mit der Mischkalkulation durch kostengünstigere Standorte im Ausland, vor allem das neue Lkw-Werk in Polen, sei MAN bei der Produktivität mindestens auf gleichem Niveau wie Scania, sagt der Vorstandschef der MAN-Nutzfahrzeuge, Anton Weinmann. Die angeblich höhere Produktivität der Schweden ist ein wichtiges Gegenargument Östlings.

Das persönliches Verhältnis zu Östling bleibt für Samuelsson auch jenseits der beruflichen Diffferenzen unterkühlt. "Letztes Jahr habe ich zu Weihnachten von ihm eine SMS bekommen, sagt der MAN-Chef. "Ob ich dieses Jahr eine bekomme, weiß ich nicht."

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