MAN: Linienbusse bald nur noch aus Polen?

München - MAN geht es so gut wie noch nie. Und dennoch müssen Hunderte Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen. Die defizitäre Bussparte hat noch drei Jahre Frist, um aus der Krise zu kommen.

"Wir wollen Busse bauen", sagte MAN-Chef Håkan Samuelsson. Doch dieser Wille ist befristet. "Es gibt auch eine Grenze der Geduld", formuliert Samuelsson, was als Damokles-Schwert über den Beschäftigten der Bussparte hängt. Konkreter heißt dies: Wenn die Busse bis 2010 nicht eine Umsatzrendite von 8,5 Prozent einfahren, ist auch eine Trennung des Konzerns von seinem Sorgenkind nicht mehr ausgeschlossen.

Davon sind die Busse (als einzige Sparte bei MAN) weit entfernt. Schon das kleine operative Plus von 11 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2006 ist zu einem Minus von 13 Millionen geworden. Dazu belasten die Bilanz jetzt Rückstellungen von 65 Millionen für die geplante Restrukturierung. Gleichzeitig wurde der Wert der Tochter Neoplan in der Bilanz um 65 Millionen nach unten korrigiert.

Wie diese Restrukturierung aussehen soll, darüber schweigt Samuelsson. Konkreter werden Internet-Seiten von MAN-Beschäftigten. Von den 1360 Beschäftigten in Salzgitter (der letzte deutsche Standort, in dem MAN ganze Busse baut) könnten 900 bei den Lkw unterkommen. Der Rest wird "abgebaut". Etwas zurückhaltender formuliert es der Konzernchef: "Es ist unsere Ambition, dass wir keine Kündigung aussprechen." Das Problem bei den Bussen zeigt ein Zahlenvergleich: Die Fertigungszeit für einen LKW beträgt 100 Stunden, die für einen Bus 1500 Stunden. Im lohnintensiven Deutschland lässt sich damit also kein Geld mehr verdienen. Nachdem bereits die Reisebusfertigung komplett nach Ankara verlagert wurde, dürften jetzt die Linienbusse nach Polen auswandern.

Doch selbst dann sorgen die Busse immer noch für Beschäftigung in Deutschland. Motoren, Achsen oder die Elektronik für LKW und Busse werden hier gebaut und zur Montage in die ausländischen Werke exportiert. Auch die Montage kompletter Bus-Chassis (80 Stunden Fertigungszeit) könnte in Deutschland verbleiben. Die Komplettierung läuft in ausländischen Werken oder bei konzernfremden Abnehmern.

So kommt es, dass MAN trotz des neuen Lkw-Werks in Polen auch in Deutschland noch neue Stellen schafft. Der Beschäftigtenstand im Inland wuchs um ein Prozent auf 29 833 Mitarbeiter, der im Ausland aber um zwei Prozent auf 21 392. Samuelsson macht keinen Hehl daraus, wo er Wachstumspotenzial sieht: "In Polen bauen wir 15 000 Fahrzeuge im Jahr, wir können das auch auf 30 000 Fahrzeuge hochschrauben." Er sieht in dem Werk in Polen einen Grund dafür, dass MAN in den östlichen EU-Ländern mit 16,3 Prozent Marktanteil unter den Lkw-Bauern die Nase vorn hat.

So kann auch trotz der Bus-Probleme die Nutzfahrzeugsparte Rekorde vermelden: Der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2007 steigerte sich um 23 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, der Umsatz um 14 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 45 Prozent auf 434 Millionen, die Umsatzrendite beträgt 9,4 Prozent.

Ertragsperle im MAN-Konzern bleiben die Dieselmotoren mit einer Umsatzrendite von 13,1 Prozent - auch wenn die Entwicklung weniger stürmisch verläuft als in anderen Bereichen. Der Auftragseingang kletterte um 27 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Umsatz um sieben Prozent auf 941 Millionen und das operative Ergebnis um 23 Prozent auf 123 Millionen. Mit 8,5 und 9,2 Prozent Umsatzrendite glänzen auch die kleineren Bereiche Turbomaschinen (Umsatz: 482 Millionen und Industriedienstleistungen: 580 Millionen).

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