Neu entwickelte Lastwagen von MAN stehen während der Vorstellung der ersten Fahrzeuge in einer Halle.
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MAN-Flaggschiff TGX: Beim Münchner Lkw-Bauer stehen 9500 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Einigung vor Weihnachten?

MAN: Tauziehen um Zukunft des Lkw-Riesen vor Abschluss – Worst-Case-Szenario vom Tisch

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Beim Münchner Lkw-Bauer MAN stehen die Gespräche über die künftige Neuaufstellung des Konzerns offenbar vor dem Abschluss. Unternehmen und Betriebsrat haben sich in zentralen Fragen angenähert.

  • Der Münchner Lkw-Bauer MAN hat ein umfassendes Restrukturierungsprogram angekündigt.
  • Insgesamt stehen 9500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Verhandlungen traten lange auf der Stelle.
  • Doch kurz vor Jahreswechsel ist nun Bewegung in die Gespräche gekommen.
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München - Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Lkw-Bauers MAN gibt es Bewegung - es wird offenbar doch keine betriebsbedingten Kündigungen geben. „Das Thema ist so gut wie vom Tisch“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person Merkur.de*. Stattdessen würden sich Unternehmen und Betriebsrat „aller Voraussicht nach“ auf einen sozial-verträglichen Personalabbau verständigen.

Der MAN-Betriebsrat hatte die Verhandlungen mit dem Unternehmen über die geplanten Personaleinschnitte und die künftige Aufstellung Mitte November überraschend auf Eis gelegt. Zur Begründung hatte MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris gesagt, das Unternehmen sei auch „in sieben Sitzungen keinen Millimeter von seinen Kahlschlagplänen abgerückt“.

MAN: Konzernchef Tostmann blickt mit Vorsicht auf 2021

Konzernchef Andreas Tostmann hatte dagegen zuletzt wiederholt auf die schwierige wirtschaftliche Lage von MAN Truck & Bus hingewiesen. Laut einer Ende Oktober veröffentlichten Mitteilung rechnet der Lkw-Bauer für 2020 mit einem operativen Verlust von 450 bis 650 Millionen Euro. Auch für das kommende Jahr zeigte sich Tostmann zurückhaltend. „Wir gehen mit sehr strikten Lockdown-Regeln ins nächste Jahr“, hatte der MAN-Chef unlängst im Interview mit dem Münchner Merkur gesagt. Daher werde sich das Jahr 2021 „für MAN sicherlich sehr schwierig gestalten“.

Die VW*-Tochter hatte Mitte September ein umfassendes Sanierungsprogramm angekündigt. Nach den Plänen könnten 9500 der konzernweit 36.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Standorte Wittlich (Rheinland-Pfalz), Plauen (Sachsen) sowie das Werk im ober-österreichischen Steyr stünden „zur Disposition“, hieß es.

Um die zuletzt festgefahrenen Gespräche wieder in Gang zu bringen, hatte sich der Personal-Vorstand der MAN-Mutter Volkswagen, Gunnar Kilian eingeschaltet. Inzwischen seien die Verhandlungen „weit fortgeschritten“, heißt es aus informierten Kreisen. Mit einer Einigung sei „zeitnah zu rechnen, möglicherweise noch vor Weihnachten“.

MAN: Stellenabbau dürfte teuer werden

Derzeit deute vieles darauf hin, dass sich die Verhandlungspartner dabei auf eine umfassende Lösung zur Altersteilzeit einigen könnten. Dazu dränge der Betriebsrat auf umfassende Abfindungsangebote für die Mitarbeiter sowie die Gründung einer Qualifizierungsgesellschaft. Bei diesen Forderungen sehe es „sehr gut aus“, hieß es.

Dies gelte auch für Forderungen des Betriebsrats, ausscheidenden Mitarbeitern Beschäftigungsangebote innerhalb des Volkswagen-Konzerns zu unterbreiten. Wie viele Mitarbeiter den Lkw-Bauer am Ende tatsächlich verlassen müssten, sei „derzeit aber noch offen“, heißt es bei MAN.

Auch die Zukunft der von Schließungen bedrohten Standorte Wittlich, Plauen und Steyr sei „noch nicht endgültig geklärt“. Es gebe aber Hinweise darauf, dass der Personalabbau am Ende „geringer ausfallen könnte“ als die zunächst befürchteten 9500 Stellen.

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