Produktion bei MAN in München. Das Stammwerk des Lkw-Bauers steht vor einer radikalen Neuausrichtung.
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Produktion bei MAN in München. Das Stammwerk des Lkw-Bauers steht vor einer radikalen Neuausrichtung.

Jobkahlschlag bei VW-Tochter

MAN will Jobgarantie kündigen – 3000 Jobs im Stammwerk München vor dem Aus

  • Thomas Schmidtutz
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Der Münchner Lkw-Bauer MAN erhöht den Druck auf die Mitarbeiter. Nach Angaben des Betriebsrats will die VW-Tochter die Beschäftigungsgarantie kündigen. Der Betriebsrat kündigt massiven Widerstand an.

  • Beim Münchner Lkw-Bauer MAN ist die Lage ernst.
  • Die VW-Tochter will insgesamt 9500 Stellen streichen.
  • Das Stammwerk in München steht vor einer tiefgreifenden Umstrukturierung

München – Der Münchner Lkw-Bauer MAN greift beim geplanten Abbau von 9500 Stelle zu drastischen Maßnahmen. Der Konzern wolle die geltenden Verträge zur Beschäftigungs- und Standortsicherung an seinen deutschen Standorten zum 30. September kündigen, sagte MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris am Dienstag auf einer Mitarbeiter-Versammlung laut übereinstimmenden Berichten von Teilnehmern. Damit wären auch betriebsbedingte Kündigungen möglich, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber Merkur.de*.

Stimoniaris sagte, die Kündigungspläne seien „unterste Schublade. Wenn der Vorstand sagt, es gäbe keine Tabus, dann liegen für uns als Belegschaft auch alle Optionen auf dem Tisch.“ Auch der einflussreiche Chef des VW*-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh stärkte den MAN-Mitarbeitern den Rücken: Der Vorstand sei „gut beraten, wenn er sich mit anderen Themen als dieser Kündigungsfrist auseinandersetzt“, sagte der Gewerkschafter in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter.  

Bislang galten betriebsbedingte Kündigungen bei der Traton-Tochter eigentlich als ausgeschlossen. Die erst 2018 verlängerten Beschäftigungs- und Standortsicherungsverträge in München, Nürnberg und Salzgitter laufen bis zum 31.12.2030. Nun verschärft der neue MAN-Chef Andreas Tostmann die Gangart.

MAN: Lkw-Bauer zieht „Gewitterklausel“

Dabei beruft sich Tostmann auf eine entsprechende Wirtschaftlichkeitsklausel („Gewitterklausel“) in den Verträgen. MAN war im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Von Januar bis Juni verlor das Unternehmen operativ 387 Millionen Euro. Jetzt verschärft die VW-Tochter die Gangart.

Nach den Plänen sollen alleine in München insgesamt 3000 Stellen gestrichen werden, heißt es aus Konzern-Kreisen. Das wäre jeder dritte Arbeitsplatz. Künftig solle die gesamte Montage von schweren Nutzfahrzeugen sowie die Fertigung der Fahrerhäuser aus der bayerischen Landeshauptstadt abgezogen werden und vom Werk Krakau übernommen werden.

Auch die Achsfertigung solle das Stammwerk verlieren. Sie könnte künftig an externe Auftragsfertiger vergeben werden, heißt es. In seinem Stammwerk wolle MAN mittelfristig nur noch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bauen. Dafür wären erheblich weniger Mitarbeiter nötig, hieß es.

MAN: Werk Krakau könnte massiv aufgewertet werden

Auch an den Standorten Nürnberg und Salzgitter drohen massive Einschnitte. Danach wolle MAN die Komponentenfertigung in Salzgitter dichtmachen und ins Werk Krakau umziehen. Damit könnten weitere 1400 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, im Motorenwerk in Nürnberg droht 1200 Beschäftigen das Aus. Außerdem wolle MAN auch sein deutsches Vertriebs- und Servicenetz erheblich ausdünnen. Dies könnte weitere 1500 Arbeitsplätze kosten, heißt es.

Ein Konzern-Sprecher lehnte am Dienstag eine Stellungnahme unter Verweis auf die bevorstehenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat ab. MAN stehe angesichts von Digitalisierung, Automatisierung und des Wandels zu alternativen Antrieben vor einem grundlegenden Branchen-Wandel, hieß es lediglich. Das Geld für die entsprechenden Investitionen habe das Unternehmen aber nicht.  

MAN hatte am 11. September überraschend den Abbau von 9500 Stellen angekündigt. Das Werk im österreichischen Werk Steyr sowie die Standorte Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) stünden zur Disposition, hieß es.

Zwar hoffen die Beschäftigten in Steyr, Wittlich und Plauen noch auf einen Erhalt ihrer Standorte. Doch Konzern-intern sieht es wohl eher schlecht aus. MAN baut in Steyr die leichte (TGL) und mittlere Baureihe (TGM). Sie sollen künftig im MAN-Werk in Ankara vom Band laufen. Von einer möglichen Schließung wären einschließlich der Zulieferer rund 4400 Arbeitsplätze betroffen, warnte der Landeshauptmann von Oberösterreich Thomas Stelzer gegenüber Merkur.de*.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Netzwerks.

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