Morphosys-Chef Simon Moroney im Interview

„Man muss Risiken eingehen“

München – Gute Neuigkeiten aus der deutschen Biotech-Branche sind rar - da kommt die Nachricht zweier millionenschwerer Forschungsallianzen der Morphosys-AG zu einem guten Zeitpunkt. Ein Interview mit Mophosys-Chef Simon Moroney.

Innerhalb weniger Wochen hat Morphosys zwei millionenschwere Forschungs-Allianzen abgeschlossen: Anfang Juni eine Partnerschaft mit dem britischen Konzern Glaxo SmithKline (GSK), vergangene Woche dann der Vertrag mit dem US-Pharmariesen Celgene. Und das in einer Zeit, in der gute Nachrichten aus der deutschen Biotech-Branche rar sind. Die Strategie der Morphosys AG scheint aufzugehen. Wir sprachen mit Morphosys-Chef Simon Moroney.

Morphosys bedient die Pharmaindustrie mit Antikörpern. Sie entwickeln aber auch eigene Wirkstoffe. Dabei ist das Ausfallrisiko groß. Lohnt sich das?

Die Deals mit GSK und Celgene zeigen, dass unsere Strategie aufgeht. Viele haben lange gesagt: Das klappt nicht, ihr geht zu viele Risiken ein. Es ist schwierig. Aber wir wollen wachsen und weiter investieren. Da muss man Risiken eingehen.

Bei den Partnerschaften mit GSK und Celgene geht es um die Wirkstoffe MOR 103 und MOR 202. Was steckt dahinter?

Bei MOR 103 handelt es sich um einen Wirkstoff gegen rheumatoide Arthritis. Wir haben in einer Phase-II-Studie bewiesen, dass er funktioniert. Jetzt muss MOR 103 durch eine klinische Phase-III-Studie.

Wie lange wird es dauern, bis der Wirkstoff auf dem Markt ist?

Schwer zu sagen. Das hängt maßgeblich von GSK ab. Sicher noch einige Jahre.

Und MOR 202?

MOR 202 ist ein Krebsmedikament gegen verschiedene Arten von Blutkrebs. Wir haben es bisher in einer Phase-I-Studie getestet – Phase II und III müssen noch folgen. Die Entwicklung steht erst am Anfang.

Sie haben mit Celgene vereinbart, die Vermarktung von MOR 202 zum Teil selbst zu übernehmen. Das ist Neuland für Sie.

Ja. Bisher sind wir an den Produktgewinnen über Tantiemen beteiligt, die im einstelligen Prozentbereich liegen. Wir wollen in höherem Maß von den Gewinnen profitieren, denn wir wollen wachsen. Durch die Vereinbarung mit Celgene sind wir mit 50 Prozent am Ertrag der Vermarktung in Europa beteiligt.

Haben Sie überhaupt die Strukturen, einen Wirkstoff selbst zu vermarkten?

Bisher nicht. MOR 202 wird erst in einigen Jahren die Marktreife erlangen. Die Vermarktung eines Medikaments muss man sich außerdem anders vorstellen als die Vermarktung von Autos. Die Zahl der Patienten ist viel geringer. Man braucht nicht in jeder Stadt eine Niederlassung – und nicht so viele Leute für den Vertrieb. Das können wir als vergleichsweise kleines Unternehmen gut stemmen.

Die Verträge mit GSK und Celgene haben zusammen ein Volumen von über einer Milliarde Euro. Wie wirkt sich das auf Ihre Finanzprognose 2013 aus?

Nach dem ersten Deal mit GSK haben wir bereits unsere Finanzprognose nach oben korrigiert. Der Deal mit Celgene muss noch von der Kartell-Behörde in den USA abgesegnet werden. Das wird 30 bis 60 Tage dauern. Danach werden wir prüfen, ob wir die Finanzprognose nochmals anpassen.

Durch die Allianzen haben Sie mehr finanziellen Spielraum. Wie wollen Sie diesen nutzen?

Wir wollen in andere Substanzen aus den Bereichen Krebs und Entzündungskrankheiten investieren. Das Krebsmedikament MOR 208 ist ein aussichtsreicher Kandidat, den wir schnell vorantreiben wollen. Wenn wir geeignete Firmen oder Produkte finden, sind auch Akquisitionen in Zukunft vorstellbar.

Das klingt, als würden Sie sich immer mehr zum Pharamunternehmen entwickeln.

Ich sehe uns nicht als Pharma-Unternehmen, sondern weiterhin als Biotech-Firma. Es gibt Beispiele aus den USA von Biotech-Unternehmen, die eigene Produkte entwickeln. Das Problem ist, dass hier in Deutschland die Beispiele fehlen – bisher.

Interview: Manuela Dollinger

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