MAN Stammwerk in München: Der Lkw-Bauer will 9500 Stellen abbauen und ganze Werke schließen. Der Betriebsrat läuft Sturm.
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MAN Stammwerk in München: Der Lkw-Bauer will 9500 Stellen abbauen und ganze Werke schließen. Der Betriebsrat läuft Sturm.

Steyr-Betriebsrat in Sorge

Warnung vor MAN-Aus: „Wenn das so kommt, brüllt der Löwe in fünf Jahren nicht mehr“ - Tausende Jobs in Gefahr

  • Thomas Schmidtutz
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Der Münchner Lkw-Bauer MAN will noch vor Weihnachten eine Einigung über die Pläne zum Abbau von 9500 Stellen erzielen. Die Gespräche sollen zeitnah beginnen.

  • Beim Münchner Lkw-Bauer MAN stehen 9500 Stellen auf dem Spiel.
  • Der Betriebsrat läuft aber nicht nur gegen die Stellenstreichungen Sturm.
  • Auch die Umbau-Pläne treffen auf energischen Widerstand

München - Im Ringen um die Zukunft des Münchner Lkw-Bauers MAN wollen Arbeitgeber und Betriebsrat nun zügig die Verhandlungen aufnehmen. Die „Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeiter-Vertretern sollen sehr zeitnah beginnen“, heißt es aus MAN-Kreisen. Man strebe „eine Einigung vor Weihnachten an“, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen Merkur.de*. Dies sei auch im Interesse der Beschäftigten.

Die VW*-Tochter hatte vor Monatsfrist Pläne zum Abbau von 9500 Stellen* angekündigt. Die Standorte Wittlich (Rheinland-Pfalz), Plauen (Sachsen) und Steyr (Oberösterreich) stünden zur Disposition, hieß es. Ende September hatte MAN zudem die bis Ende 2030 laufenden Vereinbarungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung gekündigt. Damit wären nun auch betriebsbedingte Kündigungen möglich. Der Schritt galt als Tabubruch im Volkswagen-Konzern.

Entsprechend mies ist die Stimmung bei den Beschäftigten. „Die Mitarbeiter sind völlig verunsichert“, heißt es etwa aus dem MAN-Motorenwerk in Nürnberg. Im Stammwerk in München und in Salzgitter ist die Lage ähnlich.

Nun wollen sich die Verhandlungspartner rasch an einen Tisch setzen. Aus MAN-Kreisen heißt es, man wolle bei den geplanten Stellenstreichungen soweit „irgend möglich sozialverträglich“ vorgehen.

MAN: Betriebsrat stellt sich auf knallharte Verhandlungen ein

Die Arbeitnehmer-Vertreter stellen sich dagegen auf knallharte Verhandlungen ein. Erst vor Wochenfrist hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess den geplanten Stellenabbau beim Münchner Lkw-Bauer verteidigt. MAN sei bereits vor dem Ausbruch von Corona nicht in der Lage gewesen, strategisch wichtige Investitionen zu finanzieren: „MAN Truck & Bus braucht die Restrukturierung mit Werkschließungen und Personalabbau in der Größenordnung von rund 9500 Stellen, um die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen“, sagte Diess auf der virtuellen Hauptversammlung des Konzerns.

MAN: Österreichische Regierung bringt Übernahme des Werks Steyr durch Konsortium ins Spiel

Unterdessen nimmt die Diskussion um die Zukunft des MAN Werks in Steyr Fahrt auf. Die österreichische Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) hatte Anfang der Woche Pläne zur Übernahme des Werks durch ein Österreich-Konsortium ins Spiel gebracht. Entsprechende Gespräche liefen, sagte Schramböck der österreichischen Nachrichtenagentur APA. MAN baut in seinem Werk in Oberösterreich Fahrzeuge der leichten (TGL) und mittleren (TGM) Baureihe. Nach den Plänen soll die entsprechende Fertigung ab 2023 ins Werk Krakau in Polen verlegt werden.

Die MAN-Beschäftigten im Werk Steyr lehnen einen möglichen Verkauf an ein Konsortium indes vehement ab. „Wir wollen im MAN/VW-Konzern bleiben“, sagte der Betriebsratschef von MAN Steyr, Erich Schwarz, am Freitag gegenüber Merkur.de*. Damit seien die Überlegungen von Schramböck „hinfällig“.

Zugleich kritisierte Schwarz die vorgelegten Umbau-Pläne des MAN-Vorstands scharf. „Wenn das so umgesetzt wird, brüllt der Löwe in fünf Jahren nicht mehr“, sagte Schwarz. Das vom Konzern vorgelegte Konzept sei nicht „schlüssig“. Man werde daher darauf drängen, realistische Berechnungen zu erhalten, die auch Faktoren wie deutlich höhere Logistik-Kosten und andere Positionen berücksichtigten. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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