"Man trinkt weniger, aber besser"

Mit dem September endet für die Brauer traditionell das Geschäftsjahr. Während ebenfalls zu dieser Zeit auf dem Oktoberfest gefeiert wird, ist vielen in der Branche weniger zum Jubeln zumute.

Neben der schwierigen wirtschaftlichen Situation trüben Empfehlungen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, zur Alkoholprävention die Stimmung (wir berichteten). Der Bayerische Brauerbund läuft gegen die Vorschläge Sturm. Dessen Präsident Michael Weiß spricht im Interview über Sorgen und Hoffnungen der Bier-Branche.

Die Empfehlungen der Drogenbeauftragten zur Alkoholprävention sind weitgehend allgemein gehalten. Warum regt Sie dieses Diskussionspapier so auf?

In meinen Augen handelt es sich um sehr konkrete Forderungen. In dem Programm steht etwa, dass Werbung und Sponsoring für alkoholhaltige Getränke eingeschränkt werden sollen - mit dem Ziel, dies ganz zu verbieten. Außerdem werden zum Beispiel Steuererhöhungen empfohlen. Wir sind uns alle einig, dass der Missbrauch von Alkohol bekämpft werden muss. Aber das Programm zielt darauf, den allgemeinen Durchschnittskonsum zu senken. Und diesen Ansatz kann ich nicht nachvollziehen.

Wir Brauer haben es seit 30 Jahren mit einem rückläufigen Konsum zu tun. Der jährliche Bierkonsum pro Kopf lag mal bei 150 Litern. Heute sind wir bei rund 110 Litern. Doch der Missbrauch ist deutlich gestiegen. Es ist absehbar, dass wir in fünf, sechs Jahren nur noch bei 100 Litern pro Kopf liegen werden. Aber wenn wir nicht an die Wurzeln des Missbrauchs gehen, wird sich am Missbrauchsverhalten nichts bessern. Das Instrument, sich am Durchschnittskonsum zu orientieren, ist schlichtweg untauglich.

Die Vorschläge sind noch ein erhebliches Stück davon entfernt, Gesetz zu werden. Welche Signale haben Sie aus der Politik?

Viele Politiker waren bislang gar nicht im Bilde, was sich da entwickelt. Wenn es in den politischen Entscheidungsprozess geht, bin ich aber zuversichtlich, dass nicht nur - teils ideologisch verbrämte - Gesundheitsapostel zu Wort kommen, sondern das Thema ausgewogen betrachtet wird.

Ist das Oktoberfest vor diesem Hintergrund noch eine gute Werbung für Bier oder schadet es eher dem Brauer-Image?

Objektiv gesehen ist es sehr positiv. Für mich ist das Oktoberfest wie ein großer Stammtisch: Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen finden sich zusammen und unterhalten sich. Es ist überwältigend. Leider werden in der Öffentlichkeit die ganz wenigen Exzesse überproportional beachtet und das Oktoberfest teils als Massenbesäufnis rübergebracht. Der Aspekt der Geselligkeit, der von Millionen Menschen gepflegt wird, kommt bei dieser Betrachtung zu kurz. Das wird der Sache nicht gerecht.

Haben Bayerns Brauer in diesem schwierigen Jahr auch etwas zu feiern?

Das zu Ende gehende Brauerjahr ist in der Tat ein durchwachsenes. Wir hatten leider kein wirklich schönes Sommerwetter. Und die Menschen schauen wegen der hohen Energiepreise stärker auf den Geldbeutel. Auf der anderen Seite fragen sich die Menschen bewusster: Was esse ich und was trinke ich? Gerade anerkannte, mittelständische Brauereien spüren den Trend, dass teils weniger getrunken wird, aber dafür besser.

Ist das der Hoffnungsschimmer für große Teile der Branche?

Das muss der Trend sein: Weniger, aber besser. Und dann liegt die einzige Chance zum Überleben darin, hochwertige Produkte herzustellen und diese auch hochwertig zu vermarkten.

Zuletzt waren die Brauer in eine Rohstoff-Krise geschlittert. Hopfen und Braugerste waren knapp und teuer. Setzt jetzt eine Entspannung ein?

Wir haben eine sehr gute Hopfenernte, sodass es da zu einer gewissen Entlastung kommt. Allerdings ist die weltweite Nachfrage nach wie vor sehr hoch. Bei der Braugerste ist die Ernte regional unterschiedlich ausgefallen. Wenn man die Energiepreise dazunimmt, muss man feststellen, dass die Kostensituation insgesamt noch extrem angespannt ist.

So wurden heuer Preiserhöhungen in der Branche gerechtfertigt. Geht es mit den Bierpreisen weiter nach oben?

Die Preiserhöhungen, die im Markt durchgesetzt werden konnten, reichen bei weitem nicht aus, um die Kostenerhöhungen zu kompensieren. Insofern ist definitiv der Druck gegeben, die Preise auch 2009 zu erhöhen. Es liegt aber an jeder einzelnen Brauerei zu entscheiden, ob sie das macht.

Angesichts des schwierigen Geschäfts dürfte die Zahl der Brauereien weiter sinken.

Es wird sicher in den nächsten Jahren noch die eine oder andere Übernahme oder Betriebsaufgabe geben.

Deutschlands größter Bierhersteller, die Oetker-Tochter Radeberger, hat kürzlich angekündigt, eine bayerische Großbrauerei schlucken zu wollen. Ist das realistisch?

Ich bin mir sicher, dass die das gerne wollen. Die Frage ist, ob der Wunsch erfüllt werden kann, ob also eine bayerische Großbrauerei dem Werben nachgibt.

Michael Weiß (53) hat in München Betriebswirtschaftslehre und in Weihenstephan Brauwesen studiert. Er leitet in vierter Generation die mittelständische Meckatzer Löwenbräu im Allgäu und ist seit 2001 Präsident des Bayerischen Brauerbunds.

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