Ein MAN-Sattelschlepper bei der Endmontage in München. Für die Arbeitsplätze hier gibt es Zusicherungen.   Foto. dapd

MAN: Volkswagen schießt übers Ziel hinaus

München - MAN wird Teil des Volkswagen-Konzerns, soll aber an der Börse bleiben. Das Angebot aus Wolfsburg an die MAN-Aktionäre fand unerhofft großen Zuspruch. VW hält künftig 55,9 Prozent an MAN.

Der niedrige Aktienkurs hat viele MAN-Aktionäre in Verkaufslaune gebracht. So schoss VW mit seinem Übernahmeangebot über das selbst gesetzte Ziel hinaus, eine sichere Hauptversammlungsmehrheit bei MAN zu erwerben. Dazu hätten zusätzliche knapp fünf Prozent der MAN-Stammaktien gereicht. Doch jetzt muss VW 25,47 Prozent zu 95 Euro pro Stück kaufen und hält dann insgesamt 55,9 Prozent der MAN-Anteile. Das hat einen ungeplant tiefen Griff in die Kasse zur Folge: Statt 0,7 bis 1,4 Milliarden Euro muss Volkswagen für die Machtübernahme in München mehr als 3,4 Milliarden berappen. Was aber bedeutet die Übernahme für alle Beteiligten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was wird aus MAN im VW-Konzern?

MAN ist künftig eine von zwei Nutzfahrzeugtöchtern des VW-Konzerns und wird - sobald die EU dafür grünes Licht gibt - mit der zweiten, Scania, eng zusammenarbeiten. Doch bleibt das Unternehmen MAN mit seinen beiden Standbeinen Nutzfahrzeuge und Maschinenbau erhalten. Eine Zusammenlegung oder eine Zerschlagung erlaubt auch eine Mehrheit von 55,9 Prozent nicht. Unabhängig davon gibt es gute Gründe dafür, mit MAN das Erbe des mit 253 Jahren ältesten deutschen Industriekonzerns zu pflegen - und etwa die Entwicklung des Dieselmotors in der Maschinenfabrik Augsburg als Werbebotschaft für alle Konzernunternehmen zu reklamieren. Doch strategische Entscheidungen werden künftig in Wolfsburg gefällt - das wäre aber bei der von VW angestrebten geringeren Beteiligung auch nicht anders gekommen.

Führt nun Scania in München Regie?

Angesichts der Abwehrhaltung der Schweden wäre es ungeschickt, diesen Weg zu gehen. VW strebt einen gemeinsamen Einkauf an. Bei der Entwicklung werden wohl die Kompetenzen neu geordnet: MAN hat eine Alleinstellung bei kleinen und mittleren Transportern und Lastern. Scania baut Getriebe, die künftig auch an MAN verkauft werden. Fahrerkabinen und Motoren gelten als markenprägend - da gehen beide Unternehmen ihren eigenen Weg. Bei der teuren Abgasreinigung werden die Kompetenzen gebündelt. Das Gleiche gilt für die Antriebsachsen. Da ist es noch nicht sichtbar, wer jeweils die Federführung haben wird.

Gehen Arbeitsplätze verloren?

Für MAN-Mitarbeiter hat Volkswagen bereits umfangreiche Garantien abgegeben. Angesichts der traditionell starken Rolle der Gewerkschaften im VW-Konzern droht hier keine Gefahr. Im Gegenteil: MAN hat in der Vergangenheit unrentable Standorte ohne viel Federlesens geschlossen oder verkauft. Die Mitarbeiter im Werk Salzgitter, das als defizitär immer mal wieder bedroht war, dürften durch die starke Rolle des Landes Niedersachsen im VW-Konzern jetzt eher ruhiger schlafen. Einen derart gewichtigen Beschützer der bayerischen MAN-Standorte gibt es im Konzern nicht. Doch ist bisher auch Audi unter diesen Konzern-Bedingungen nicht gerade schlecht gefahren.

Was wird aus der MAN-Aktie?

Die Aktie soll nicht von der Börse verschwinden. Selbst der Platz im Dax ist nicht in Gefahr. Der Anteil handelbarer Aktien ist zwar geringer geworden, und Continental steht für einen Aufstieg in den Dax bereit. Doch MAN bleibt nach den Maßstäben, die die Deutsche Börse vorgibt, immer noch vor Heidelberg-Cement oder der Commerzbank. Auch beim Handelsumsatz bleibt MAN auf Dax-Niveau.

Die Kleinaktionäre haben aber künftig weniger Einfluss. Eine Entscheidung gegen Volkswagen ist künftig auch theoretisch nicht mehr möglich. Allerdings werden sie weiter eine eigenständige MAN-Bilanz vorgelegt bekommen, sie werden zur Hauptversammlung eingeladen und - wenn das Jahr gut gelaufen ist - eine Dividende einstreichen. Um, wie bei Audi, einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag durchsetzen zu können, müsste Volkswagen weitere knapp 20 Prozent an MAN zukaufen. Das ist gegenwärtig nicht in Sicht.

Tiefere Spuren wird die erfolgreiche Übernahme in der Volkswagen-Bilanz haben. In dieser wird MAN künftig nicht mehr als Beteiligung geführt, sondern vollkonsolidiert - wie es heißt - als Konzernteil von Volkswagen

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