MAN: Wunschpartner Scania lässt weiter warten

München - MAN hat seine Position bei Scania ausgebaut. Gemeinsam mit VW hat der Münchner Konzern eine Stimmrechtsmehrheit beim schwedischen Konkurrenten. Eine Fusion ist aber noch nicht in Sicht.

­"Wir müssen Geduld haben." Dafür, dass Håkan Samuelsson den schwedischen Konkurrenten Scania schon einmal im Hauruck-Stil übernehmen wollte, tritt der MAN-Chef nun erstaunlich gelassen auf. Schließlich sei der Konzern mit dem Kapazitätsaufbau beschäftigt, sagt er. Doch dann muss Samuelsson doch einräumen, dass MAN seine Position gegenüber den Schweden gestärkt hat. Die Münchner verfügen zwar weiterhin über 13,25 Prozent der Anteile.

Doch die Schweden bilden eine Klassengesellschaft: MAN hat Aktien zweiter Klasse (mit wenig Stimmrecht) in Aktien erster Klasse (mit viel Stimmrecht) umgetauscht. So haben die Münchner nun 17 Prozent der Stimmen. Das alles habe aber "keine strategische Stoßrichtung", beschwichtigt der Ex-Scania-Manager Samuelsson. Mit den rund 36 Prozent, die VW hält, ergäbe sich locker eine Mehrheit bei den Schweden. Doch der einst größte Einzelaktionär, die Familie Wallenberg, verfügt über 30 Prozent. Das reicht für eine Blockade. So schweigt Samuelsson lieber. Außerdem hat er in dem Großaktionär und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch einen Strippenzieher im Nacken, der lieber selbst und hinter den Kulissen agiert. Anleger, die auf eine zügige Fusion gehofft hatten, quittierten die Zurückhaltung mit Verkäufen. Die Aktie schmierte trotz guter Zahlen um 8,2 Prozent ab.

Anstatt neue Giganten zu schmieden, macht Samuelsson, was MAN ganz allein kann: Er verkündet ein Rekordergebnis für 2007 (siehe Kasten), kündigt das nächste für 2008 an und spielt mit Zukunftsideen. So ist man unter dem Dach Industriedienstleistungen an mehreren Solarenergie-Unternehmen beteiligt und engagiert sich bei der Entwicklung von Biotreibstoffen der zweiten Generation, bei denen keine Nahrungsmittel mehr verheizt werden sollen.

Mit 11,2 Prozent Umsatzrendite liegt der Konzern klar über dem selbstgesteckten Ziel. Dazu tragen neben der überdurchschnittlichen Sparte Dieselmotoren (14,4 Prozent) auch die Industriedienstleistungen mit 12,4 Prozent bei. Der größte Gewinner steht außerhalb des Konzerns: Der Getriebebauer Renk (an dem MAN 76 Prozent hält) erwirtschaftete pro 100 Euro Umsatz 15,7 Euro Gewinn.

Doch ein Bereich des Konzerns schwächelt weiter: Die Busse. Deren Verlust von 13 Millionen Euro drückt die Umsatzrendite der Nutzfahrzeuge von 11,3 auf 10,0 Prozent. Neben der Verlagerung der Linienbusfertigung aus Salzgitter nach Polen wird nun auch das bisher (seit der Fusion mit Neoplan) weitgehend selbstständige Busmanagement an die kurze Leine der Nutzfahrzeugsparte genommen. Frühere Drohungen mit einer möglichen Schließung ("unsere Geduld ist begrenzt") relativierte Samuelsson allerdings: Sollten die bisherigen Sanierungsmaßnahmen nicht greifen, "muss man über weitere Dinge reden".

Das grundlegende Problem bei den Linienbussen kann MAN intern gar nicht abstellen: Es sind die Wunschzettel von Kommunalpolitikern. Hunderte von Modellvarianten sind derzeit üblich ­ die teuer in geringsten Stückzahlen gebaut werden. Dies verteuert die Anschaffung für Steuerzahler und Fahrgäste und drückt auf die Qualität. "Standardisierte Produkte wären zuverlässiger und günstiger", sagt Samuelsson und hofft auf wirtschaftliches Denken bei den Beschaffern kommunaler Verkehrsbetriebe.

Keine Sorgen hat MAN mit dem Dollarkurs und der US-Kreditkrise. Denn die Verkäufe in den USA sind äußerst bescheiden. Und die veränderte Stimmung bei den Banken registrierte MAN vor allem durch ein größeres Interesse an den Finanzierungsinstrumenten, die der Konzern nun verstärkt selbst anbietet. "Die Kunden bekommen nicht mehr so leicht Geld am Markt", sagt der Konzernchef.

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