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Der Finanzweltwerde zu Unrecht unterstellt, aus der Krise nichts gelernt zu haben, findet Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. „Tatsache ist, dass die Banken bei der Umsetzung der Lehren aus der Finanzkrise gut vorankommen“, sagte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte kürzlich kritisiert, bei einigen Akteuren auf den Finanzmärkten bahne sich „eine alte Arroganz wieder den Weg“.

Manager-Gehälter: Exzesse bleiben aus

München - Die viel gescholtenen deutschen Top-Manager haben sich in der Finanzkrise keine exzessiven Gehälter gegönnt. Das geht aus einer Studie von Aktionärsschützern hervor. Spitzenverdiener war im vergangenen Jahr ein Manager aus München.

„Wir haben keine Anhaltspunkte für Gier und größere Exzesse irgendwelcher Art gefunden“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, bei der Vorstellung der Manager-Gehaltsstudie 2008. Wegen der weltweiten Krise und der Rezession sanken die Gehälter der deutschen Spitzenverdiener im vergangenen Jahr gegenüber 2007 um knapp 21 Prozent. Im Schnitt verdienten die Vorstände der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands knapp 2,28 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus einem fixen Gehalt, Erfolgs-Boni und Aktienoptionen zusammen. Die DSW rechnet damit, dass die Gehälter wegen der anhaltenden Krise 2010 weiter massiv fallen.

Die von der Politik geplanten Gesetze gegen Gehalts-Exzesse halten die Aktionärsschützer für überflüssig. „Die gesetzlichen Regulierungsmechanismen reichen aus“, sagte Hocker. „Die Bezüge steigen, wenn die Gewinne steigen, und sie sinken, wenn es den Unternehmen schlechter geht.“ Allein die Boni, die den größten Teil der Dax-Vorstandsvergütung ausmachten, seien 2008 um ein Drittel zurückgegangen. Die DSW befürwortet Bonus-Malus-Systeme, bei denen die Vorstände im Misserfolgsfall weniger Geld bekommen.

Die europäischen Regierungen wollen künftig einen harten Kurs zur Eindämmung von Bonuszahlungen fahren und dies bei dem Treffen der G20-Finanzminister am Wochenende in London beschließen. Dafür hatte sich insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzt, die von „völlig aus dem Ruder gelaufenen Bonuszahlungen“ sprach. Zuletzt hatte der ausgeschiedene Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick, dem bis zu 15 Millionen Euro Gehalt zustehen sollen, für Schlagzeilen gesorgt.

Spitzenverdiener war 2008 laut Studie Siemens-Chef Peter Löscher mit Bezügen von knapp 10 Millionen Euro. Er verdrängte den langjährigen Spitzenverdiener Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vom ersten Platz. Ackermann erhielt wegen des schlechten Abschneidens seiner Bank nur noch 1,4 Millionen Euro Gehalt. Boni und Aktienoptionen fielen bei der größten deutschen Bank wegen Nichterreichen der Ziele aus. Auf Platz zwei landete Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit 8 Millionen Euro. Das Schlusslicht bildete Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing mit 600 000 Euro. Sein Gehalt wurde nach dem Einstieg des Staates bei der angeschlagenen Commerzbank gedeckelt.

Auch bei den M-Dax-Unternehmen gingen die Gehälter der Vorstände im Schnitt kräftig zurück. Bei den 50 mittelgroßen Unternehmen verdiente ein Vorstandsmitglied 2008 durchschnittlich mit 1,33 Millionen Euro 13,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Top-Verdiener war Puma-Chef Jochen Zeitz (7,8 Mio. Euro).

Im internationalen Vergleich sehen die Aktionärsschützer keinen Grund zur Klage der Vorstände. Hierzulande würden die Spitzenmanager nicht schlechter bezahlt als anderswo. So lagen die Chefs der Dax-Konzerne mit ihrer Vergütung in Europa leicht vorne. Nur in den USA würden Manager von Dow Jones-Unternehmen besser entlohnt. Die Bezüge der Spitzenkräfte in Deutschland seien „hoch, aber nicht zu hoch“, urteilte DSW-Hauptgeschäftsführer Hocker.

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