Managergehalt: Zypries will's wissen

- München - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will es wissen. Sie hat Eckpunkte eines Gesetzentwurfs vorgestellt, der die Manager börsennotierter Unternehmen zwingen soll, ihre Gehälter zu veröffentlichen. Vor allem die Chefs kleinerer Gesellschaften haben eine entsprechende Empfehlung im "Corporate Governance Kodex" für verantwortliche Unternehmensführung bisher ignoriert. Das dürfte sich ab dem kommenden Jahr ändern.

<P>Josef Ackermann hat 2003 rund 7,7 Millionen Euro verdient - plus Aktienoptionen. Das kann jeder im Geschäftsbericht der Deutschen Bank nachlesen. Auch beim ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer (4,6 Millionen Euro) und Post-Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel (1,7 Millionen Euro) wurde das Jahresgehalt veröffentlicht. Zwei Drittel der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex schlüsseln die Bezüge der Vorstände inzwischen einzeln auf. Zehn weigern sich noch. Bei den kleineren Unternehmen ist die Geheimhaltung noch stärker ausgeprägt - und das ärgert Justizministerin Zypries sowie Aktionärsschützer.<BR><BR>Vor zwei Jahren, als Anleger durch Wirtschaftsflaute, Miss-Management und Betrugsskandale verschreckt waren, beschloss die Bundesregierung etwas für die Aktionärskultur zu tun. Unter dem Vorsitz des Aufsichtsrats-Chefs von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, wurde damals eine Regierungskommission eingesetzt, die den "Corporate Governance Kodex" verabschiedete: eine Sammlung von 72 Regeln für verantwortliche Unternehmensführung, die sich besonders an börsennotierte Gesellschaften richtet. Das Handbuch für gute Manager hat den Charakter einer Empfehlung. Und die wurde in einigen Bereichen überhört.<BR><BR>"Insgesamt hat der Kodex eine hohe Akzeptanz erreicht", urteilt Andreas Martin von der Kommunikations-Agentur Ergo, die seit mehreren Jahren den Umgang der Unternehmen mit der Corporate Governance analysiert. Allerdings gibt es Ausnahmen: Dazu zählt neben der Selbstbeteiligung der Chefs an ihrer Haftpflichtversicherung für Management-Fehler die Offenlegung der Gehälter. Nach einer Auswertung von 180 Unternehmen hat Ergo hochgerechnet, dass im M-Dax 40 Prozent der Gesellschaften die Bezüge nicht offenlegen, im Tec-Dax sind es fast 60 Prozent und außerhalb der großen Indizes 75 Prozent.<BR><BR>"Ich bedaure, dass die Unternehmen ihrer Selbstverpflichtung nicht nachgekommen sind, denn die Information ist für die Anteilseigner bedeutsam", ließ Zypries mitteilen. Deshalb soll künftig ein Gesetz regeln, dass die Chef-Gehälter aller an der Börse notierten Unternehmen - dies sind in Deutschland etwa 900 - einmal jährlich veröffentlicht werden. Nur wenn die Hauptversammlung mit Drei-Viertel-Mehrheit den Ausweis ablehnt, sollen die Bezüge aller Vorstände wie bisher in ihrer Gesamtsumme ausgewiesen werden. Bei Porsche glaubt man, dass diese Regelung verfassungswidrig sei. Doch im Bundesjustizministerium wird damit gerechnet, dass ein entsprechendes Gesetz Ende dieses Jahres in Kraft treten könne - rechtzeitig vor der Hauptversammlungssaison 2006.</P>

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