Mangelware Diesel-Rußfilter

Lieferprobleme: - Seit 1. April rechnen Besitzer älterer Dieselfahrzeuge mit spitzem Stift. Sollen sie ihr Auto mit einem Rußfilter nachrüsten lassen oder lieber die Strafsteuer von 1,20 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum bezahlen? Wer sich fürs Nachrüsten entscheidet, muss sich auf Wartezeiten einrichten, denn die Hersteller können die große Nachfrage nach Rußfiltern derzeit nicht befriedigen. So mancher Filter befindet sich sogar noch in der Entwicklung.

Vier Jahre lang wird die Strafsteuer für filterlose Diesel fällig, wer nachrüstet, wird dagegen mit 330 Euro Steuergutschrift belohnt. Das entsprechende Gesetz hatte der Bund nach zweijähriger Diskussion Anfang März verabschiedet.

Trotz Steuergutschrift ist die Nachrüstung teurer, als die Strafsteuer zu bezahlen. Dennoch entscheiden sich viele Diesel-Besitzer fürs Nachrüsten - aus Umweltgründen und weil der Filter den Wiederverkaufswert des Autos steigert.

Nachzurüsten ist aber gar nicht so einfach. "Wir haben bis zu drei Monate Lieferzeit auf Rußfilter. Bei jeder Anfrage sagen wir das unseren Kunden", sagt etwa der Filialleiter eines Toyota-Autohauses in Freising. Für Toyotas gebe es nur zwei Hersteller von Rußfiltern in Deutschland. Und seit dem 1. April, so der Filialleiter, gehe es bei denen rund. Die Hersteller bestätigen die Lieferprobleme.

Bei der Firma HJS Fahrzeugtechnik in Nordrhein-Westfalen muss man derzeit sechs bis acht Wochen auf einen VW-Rußfilter warten und acht bis zehn Wochen auf einen für Mercedes-Diesel. Bei Importfahrzeugen wie Renault oder Nissan liegt der Liefertermin nach Auskunft des Unternehmens teilweise in der zweiten Jahreshälfte.

Ähnlich das Bild bei Oberland Mangold, einem Hersteller aus Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Filter für Audi, VW, Seat, Skoda und Fiat gehen laut Sprecher Matthias Mangold ab Mitte Mai in den Versand, Filter für BMW und Ford seien erst ab Juni lieferbar. Und bei der Vitkus Abgastechnik, einem Rußfilter-Großhändler aus Schleswig-Holstein, heißt es: Wer heute bestellt, muss bis Mai oder Juni auf seinen Rußfilter warten.

Grund sind nicht nur Engpässe in der Produktion, teilweise liegen für die Filtersysteme noch gar keine Genehmigungen vor. Manches System befinde sich noch in der Phase der Vorproduktion, bestätigte die Firma Oberland Mangold auf Anfrage. Auch bei der HJS Fahrzeugtechnik ist man mit der Entwicklung im Verzug. "Wir haben noch nicht für alle Typen passende Filtersysteme", sagte Sprecherin Annette Ritz unserer Zeitung.

Die Industrie sieht die Schuld aber nicht bei sich, sondern beim Bund. "Die Politik hat zwei Jahre gebraucht, um die Förderung auf den Weg zu bringen", sagt Eckehart Rotter, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Das habe Verunsicherung geschaffen. "Es gab lange keinen klaren, berechenbaren Rahmen." Jetzt müssten die Hersteller erst ihre Kapazitäten anpassen.

So sieht es auch Michael Vitkus, Chef des Großhändlers Vitkus Abgastechnik. "Die Industrie hat mit den Vorbereitungen sehr spät begonnen, weil es keine Sicherheit gab. Sie konnten nicht darauf vertrauen, dass die Förderung so verabschiedet wird." Noch vergangenes Jahr, so Vitkus, habe es "quasi keine Nachfrage" nach Nachrüst-Filtern gegeben. "Jetzt herrscht Land unter. Die Kapazitäten sind nicht groß genug."

Für Autofahrer und Werkstätten heißt es also, sich in Geduld zu üben, bis die nächste Lieferung kommt. Steuerliche Nachteile entstehen dem Autofahrer nicht. Die 330 Euro Förderung erhält er als pauschale Gutschrift, wenn er seinen Diesel bis spätestens Ende 2009 nachrüsten lässt.

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