Mannesmann-Prozess in der dritten Runde

- Düsseldorf - Vor dem Düsseldorfer Landgericht hat die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses begonnen. In dem Wirtschaftsstrafverfahren wird zum dritten Mal über den Vorwurf der schweren Untreue im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor sechs Jahren verhandelt.

Auf der Anklagebank sitzt unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er hat angekündigt, im Fall einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzutreten. Es geht um die Ausschüttung von Prämien und Pensionsabfindungen an Manager in Höhe von 57 Millionen Euro.

Am ersten Verhandlungstag kündigte der Anwalt des Bankiers nach Verlesung der Anklageschrift an, dass Ackermann vorerst zur Sache nicht aussagen wolle und erst am 2. November dazu Stellung nehmen werde. Neben Ackermann müssen sich in dem Prozess der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser, Aufsichtsratschef Joachim Funk sowie der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, der Betriebsratschef Jürgen Ladberg und der Manager Dietmar Droste verantworten.

In einer ersten Stellungnahme beteuerten Funk und Zwickel ihre Unschuld. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich eine Straftat der Untreue gesehen, erkannt oder erlebt - weder objektiv noch subjektiv", sagte Funk. Zugleich wies er darauf hin, dass Anerkennungsprämien bei Mannesmann schon früher gewährt worden und ein "Stück Unternehmenskultur" seien. Nachfragen ließ Funk trotz Drängen des Gerichts nicht zu.

Zwickel bekräftigte, dass er sich in strafrechtlicher Hinsicht nichts habe zuschulde kommen lassen. Die Übernahme von Mannesmann sei zudem für alle Beteiligten nicht zum Nachteil gewesen. "Ein Geschenk ist die Zahlung an Dr. Esser nie gewesen", sagte Zwickel.

Im Blitzlichtgewitter und vor vielen laufenden Kameras waren die Angeklagten am Morgen im Gericht eingetroffen. Ackermann betrat das Gebäude durch einen Seiteneingang. Der Topmanager achtete diesmal peinlichst darauf, in der Öffentlichkeit keine falschen Signale zu setzen. Beim ersten Mannesmann-Prozess hatte er durch ein Victory- Zeichen für einen Eklat gesorgt. Im ersten Mannesmann-Prozess waren die Angeklagten freigesprochen worden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte diese Urteile im Dezember vergangenen Jahres aber wieder aufgehoben und das Verfahren an das Landgericht zurückverwiesen. Der BGH sah den "objektiven Tatbestand der Untreue" erfüllt. Die Düsseldorfer Richter müssen nun vor allem die "subjektive Tatseite" aufklären, daher fällt den Aussagen der sechs Angeklagten besonderes Gewicht zu. Der Vorsitzende Richter Stefan Drees hat vorläufig 26 Verhandlungstage für den Prozess anberaumt.

Befragt nach den persönlichen Daten machte Ackermann als einziger der sechs Angeklagten präzise Angaben zu seinem Einkommen. Danach verdient er bei der Deutschen Bank jährlich 11,9 Millionen Euro. Einschließlich weiterer Bezüge unter anderem aus Vermögen lägen die Einkünfte bei 15 bis 20 Millionen Euro.

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