Mannesmann-Prozess geht in die 3. Runde

- Düsseldorf -­ Der Mannesmann-Prozess wird von heute an vor dem Düsseldorfer Landgericht neu aufgerollt. Bereits zum dritten Mal verhandelt die Justiz im spektakulärsten deutschen Wirtschaftsstrafverfahren über den Vorwurf der schweren Untreue bei der milliardenschweren Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone im Jahr 2000. Im Mittelpunkt des Verfahrens gegen sechs Angeklagte steht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Er hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung zurückzutreten.

Die Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Stefan Drees muss die Vorgaben des Bundesgerichtshofs beachten, der die Freisprüche der ersten Instanz im Dezember vergangenen Jahres aufgehoben hatte und sogar den objektiven Tatbestand der Untreue erfüllt sieht. Aufsichtsräte seien "nicht Gutsherren, sondern Gutsverwalter", hatte Bundesrichter Klaus Tolksdorf angesichts des großzügigen Umgangs mit dem Kapital der Gesellschaft sehr deutlich formuliert.

Die damaligen Aufsichtsräte haben aus Sicht der Staatsanwaltschaft mit der Ausschüttung von Prämien und Pensionsabfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro der Mannesmann AG geschadet. "Wir gehen trotz der überzeugenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs vollkommen ergebnisoffen in die neue Hauptverhandlung", hatte Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg dennoch betont. An Spekulationen über den Ausgang des Verfahrens werde man sich nicht beteiligen.

Der Ausgang des Prozesses ist offen. Von einem erneuten Freispruch über eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage bis hin zu einer Verurteilung und einem weiteren Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof sind alle Varianten denkbar.

Nach den Vorgaben des Bundesgerichtshofes sind die Chancen für einen erneuten Freispruch im Saal L 111 allerdings gesunken. Als rechtlich besonders heikel gilt die Drei-Millionen-Euro-Prämie, die dem damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk genehmigt worden war. Der BGH hatte dies als "greifbare Rechtswidrigkeit" moniert. Die Düsseldorfer Richter müssen nun vor allem die "subjektive Tatseite" aufklären, daher fällt den Aussagen der sechs Angeklagten besonderes Gewicht zu.

Für den Prozess sind insgesamt 26 Prozesstage anberaumt. Deutsch-Banker Josef Ackermann wird zweimal in der Woche auf der Anklagebank Platz nehmen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stahlkocher demonstrieren gegen Thyssenkrupp-Fusionspläne
Duisburg (dpa) - Betriebsrat und IG Metall haben ain Bochum zu einer Großdemonstration gegen die Stahl-Fusionspläne von Thyssenkrupp aufgerufen.
Stahlkocher demonstrieren gegen Thyssenkrupp-Fusionspläne
Ryanair bietet Piloten mehr Geld an
Bis zu 10 000 Euro mehr will Ryanair seinen Flugzeugführern unter anderem in Berlin und anderen Standorten zahlen. Damit will die Airline verhindern, dass es zu weiteren …
Ryanair bietet Piloten mehr Geld an
Lufthansa könnte große Teile der Air Berlin übernehmen
Eine Entscheidung ist es noch nicht, aber die Richtung scheint klar: Der deutsche Marktführer Lufthansa soll bei Air Berlin das größte Stück vom Kuchen haben. Doch der …
Lufthansa könnte große Teile der Air Berlin übernehmen
Ermittler spüren 2433 Mindestlohn-Verstöße auf
Am Bau und im Gastgewerbe stoßen die Ermittler auf die meisten Mindestlohnverstöße. Am auffälligsten sind Erfurt, Magdeburg und Berlin. Aber reichen die Kontrollen aus?
Ermittler spüren 2433 Mindestlohn-Verstöße auf

Kommentare