Mannesmann: Staatsanwälte schlagen zurück

- Düsseldorf - Neue Vorwürfe gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat den Banker beschuldigt, vorsätzlich gegen das Aktienrecht verstoßen zu haben. Ackermann sei sich von Anfang an bewusst gewesen, dass das Mannesmann-Aufsichtsratspräsidium keine Millionenprämie für den Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk habe beschließen dürfen, sagte Staatsanwalt Johannes Puls.

Bisherige Äußerungen Ackermanns, er habe geglaubt, in Deutschland entscheide der Aufsichtsrat wie in Großbritannien oder der Schweiz selbst über seine Bezahlung, seien schlicht "wahrheitswidrig", erklärte die Staatsanwaltschaft. Schließlich habe Ackermann als Deutsche-Bank-Vorstand selbst an den Hauptversammlungen des Geldinstitutes in den Jahren 1998 und 1999 teilgenommen und erlebt, dass in Deutschland die Hauptversammlungen über die Vergütung der Aufsichtsräte entschieden.<BR><BR>Mit den neuen Vorwürfen reagierte die Staatsanwaltschaft auf ein vorläufiges Resümee des Gerichts, wonach sich Ackermann im Falle der Funk-Prämien zwar eines Verstoßes gegen das Aktienrecht und einer gravierenden Pflichtverletzung schuldig gemacht habe. Dies aber nicht zu einer Verurteilung führen könne, da er sich in einem unvermeidbaren Verbotsirrtum befunden habe.<BR><BR>Ackermann-Anwalt Eberhard Kempf wies die Vorwürfe zurück. Bei der von Ackermann gebilligten 4,5-Millionen-Euro-Prämie für Funk sei es nicht um eine Belohnung für den Aufsichtsratsvorsitzenden gegangen, sondern um eine nachträgliche Anerkennung der Verdienste des früheren Vorstandsvorsitzenden Funk in den 90er-Jahren. Dafür aber seien das Aufsichtsratspräsidium und damit auch Ackermann sehr wohl zuständig gewesen.<BR><BR>Eine Woche nach dem Resümee der Düsseldorfer Wirtschaftsstrafkammer zog die Staatsanwaltschaft aber auch in anderen Punkten Konsequenzen aus dem sich abzeichnenden Freispruch der Angeklagten. So beantragte Staatsanwalt Puls, nachträglich auch einige weniger schwerwiegende Tatvorwürfe in das Verfahren einzubeziehen. Dazu gehören etwa die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unzulässige Vergabe von Prämien in Höhe von 11,5 Millionen Euro an Nicht-Vorstandsmitglieder, mit der Mannesmann-Chef Klaus Esser nur seine eigene Rekordprämie habe absichern wollen.<BR><BR>

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