Ein Markt leidet an Altersschwäche

- München - Einst rochen Motorräder nicht nur nach Öl, sondern auch nach Freiheit und jugendlicher Aufmüpfigkeit. Das hat sich geändert: Heute steigen in Deutschland vor allem gut betuchte 30- bis 50-Jährige auf die Maschinen. Junge Menschen finden das uncool und fahren derweil lieber Skateboard. Der Motorradmarkt schrumpft.

<P>"Das geht nun schon seit vier, fünf Jahren so", stöhnt Reiner Brendicke. Der Chef des Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM) würde gerne von einer Trendwende berichten, kann aber nicht: Von Januar bis Juli 2004 wurden hierzulande mit 138 000 Motorrädern um 12 000 weniger neu zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet Brendicke mit einem Minus von acht Prozent. Branchenkenner erwarten, dass es auch im kommenden Jahr kaum aufwärts gehen wird.<BR><BR>Ursachen für die Absatzschwierigkeiten in Deutschland sind nach Einschätzung des IVM zum einen die Diskussion um die Altersvorsorge und Hartz-IV. Die Zweirad-Fans würden wegen Zukunftssorgen weniger in ihr Hobby investieren oder die Lederkluft ganz an den Nagel hängen. Noch dazu schnellten die Preise für Maschinen, Schutzkleidung und Helme in den vergangenen Jahren nach oben.<BR><BR>Schwer wiegt aber auch das Nachwuchsproblem: Die Motorradfahrer in Deutschland werden im Schnitt immer älter. Aus einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg geht hervor, dass die Zahl der Führerschein-Absolventen für motorisierte Zweiräder deutlich sinkt. Im Jahr 2002 waren es 262 000, 2003 rund 50 000 weniger.<BR><BR>"Der Wunsch nach Mobilität ist primär am Auto orientiert", sagt Matthias Haaspen vom Institut für Zweiradsicherheit (IFZ) in Essen. Junge Menschen würden sich heute für eine Pkw-Fahrerlaubnis entscheiden - auch, weil diese häufig von den Eltern subventioniert wird.<BR><BR>Hinzu kommt, dass die heißen Öfen in Teilen der jungen Bevölkerung nicht sonderlich hip sind. "Es gibt nicht mehr das rebellische Potenzial des Motorrads wie in den 70er-Jahren", sagt Brendicke. Die Rebellen von einst sind mittlerweile ergraut. Ihre Kinder interessieren sich auch deswegen nicht für Motorräder, weil sie sich bewusst von den Alten abgrenzen wollen: "Das Motorrad der Eltern hat keine Vorbildfunktion", sagt Matthias Haaspen. Es wirke eher dämpfend. Stattdessen investiert die Jugend ihr Geld in andere mobile Freizeitgeräte wie Mountainbikes.<BR><BR>Um das zu ändern, wollen die Hersteller künftig gezielt auf Jugendfang gehen. "Wir werden Jugendliche etwa bei Musikkonzerten und in Clubs ansprechen", erklärt Reiner Brendicke. Auch bei der weltgrößten Motorradmesse Intermot, die am Mittwoch auf dem Münchner Messegelände startet, sollen die Jungen auf ihre Kosten kommen. So gibt es für Besucher unter 18 Jahren täglich ab 14 Uhr eine auf fünf Euro vergünstigte Eintrittskarte. Zudem dürfen sie auf einem Parcours auch ohne Führerschein erste Runden auf einer Maschine drehen.</P><P> </P><P><BR> </P>

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