MAN ist Marktführer Mercedes auf den Fersen

München - Trotz eines Rekordumsatzes hat MAN im abgelaufenen Jahr 2011 nur ein durchwachsenes Ergebnis eingefahren. Altlasten des Konzernumbaus trüben die Bilanz.

Das scheinbar endlose Gezerre um den Verkauf des Industriedienstleisters Ferrostaal, die Pleite der Ex-Tochter Manroland, dann auch noch die Mehrheitsübernahme durch Volkswagen: MAN hat ein Jahr hinter sich, in dem das eigentliche Geschäft in den Hintergrund gerückt ist. Dabei ist der Konzern am europäischen Lkw-Markt einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Sein Marktanteil stieg 2011 von 16,8 auf 17,9 Prozent. Die dazugewonnenen 1,1 Prozentpunkte sind mehr als MAN in den fünf Jahren zuvor insgesamt erobern konnte. Weil 2011 gleichzeitig der Weltmarktführer Mercedes in Europa zurückfiel (von 23,5 auf 22 Prozent) stehen die Münchner den einst übermächtigen Konkurrenten aus Stuttgart fast schon auf Augenhöhe gegenüber. „Wir wollen weiter Anteile gewinnen“, kündigte Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen an.

Gemeinsam mit Scania, der schwedischen Schwester unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns und deren rund 10,5 Prozent Marktanteil läge man bereits deutlich vor Daimler. Doch die von VW gewünschte enge Zusammenarbeit der beiden Nutzfahrzeugtöchter hat bisher noch keine konkreten Ergebnisse erbracht. Offizielle Kontakte zu Scania waren auch erst möglich, seit im Herbst kartellrechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt waren. „Es läuft gut“, sagte Pachta-Reyhofen zuversichtlich.

Gleichzeitig sondiert MAN gemeinsam mit VW Möglichkeiten, die Produkt-Palette nach unten auszuweiten. Die neuen Modelle sollen nicht nur Transporter sein, wie sie VW derzeit gemeinsam mit Mercedes baut: MAN arbeitet an richtigen Lastwagen in der Gewichtsklasse zwischen 3,5 und sechs Tonnen. Das gibt es aus Europa bisher nicht.

Finanziell lief es für MAN im abgelaufenen Jahr nicht besonders gut: Die 434 Millionen Euro, die der nach Korruptionsvorwürfen erst im zweiten Anlauf geglückte Verkauf der Tochter Ferrostaal gekostet hat, sind die größte Belastung. 182 Millionen Euro kostete der Wertverfall der noch immer von MAN gehaltenen Scania-Aktien. So konnte MAN aus dem Rekordumsatz von 17,145 Milliarden Euro 2011 nur ein Nachsteuerergebnis von 247 Millionen Euro machen.

Das ist – sieht man vom Verlustjahr 2009 ab – das niedrigste Ergebnis seit 2003. Gleichzeitig zeichnet sich eine Wende der Dividendenpolitik ab. Denn mit einer vorgeschlagenen Dividende von 2,.30 Euro pro Aktie und einer Dividendensumme von 338 Millionen Euro will MAN mehr Geld an die Aktionäre ausschütten, als der Konzern nach Steuern als Gewinn verbucht hat. „Wir können uns das leisten“, sagt Finanzvorstand Frank Lutz. Allein Großaktionär VW bekommt über 180 Millionen Euro.

Trotz der eingetrübten Konjunkturlage in Europa und eines erwarteten Rückgangs der Geschäfte im wichtigen Markt Brasilien wagt MAN fürs laufende Jahr – im Gegensatz zu den Vorjahren – eine konkrete Prognose: Der Umsatz mit Nutzfahrzeugen wird demnach um fünf Prozent sinken, der im Maschinenbau dagegen um fünf Prozent steigen. Das operative Ergebnis wird nach Einschätzung von MAN hinter dem von 2011 zurückbleiben. Und selbst dieses Ziel gilt, so Lutz, nur, wenn es der Politik gelingt, für eine Beruhigung der Finanzmärkte zu sorgen.

Martin Prem

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