Marktöffnung: Zumwinkel hofft auf Hilfe der EU

- Bonn - Post-Chef Klaus Zumwinkel hofft auf EU-Hilfe gegen die von ihm mit der völligen Marktöffnung Ende 2007 befürchtete Billiglohnkonkurrenz. Der Wettbewerb auf dem Postmarkt nach dem Wegfall des letzten Briefmonopols zum 1. Januar müsse fair ablaufen und dürfe "kein Wettbewerb um die schlechtesten Arbeitsbedingungen" werden, sagte Zumwinkel bei der Hauptversammlung der Post AG in Köln.

Zumwinkel bekräftigte die Absicht, den mit Wegfall des Restmonopols auf Briefe bis 50 Gramm absehbaren Verlust von Marktanteilen in Deutschland durch Zugewinne in anderen Ländern auszugleichen. Deshalb müsse aber die Marktöffnung im europäischen Gleichklang erfolgen und faire Wettbewerbsbedingungen, vor allem bei den Sozialstandards, geschaffen werden, betonte er.

Zumwinkel hatte mehrfach darüber geklagt, dass die Bundesnetzagentur in Deutschland die vom Postgesetz vorgeschriebene Einhaltung sozialer Mindeststandards bei den Post-Konkurrenten nicht durchsetze. Er bewertete nun positiv, das im EU-Parlament inzwischen über die Aufnahme sozialer Mindeststandards in die dritte Postrichtlinie für die europäische Marktöffnung zum 1. Januar 2009 diskutiert werde.

Zumwinkel versicherte, die Post AG werde in Deutschland auch weiterhin einen hochwertigen und erschwinglichen Universaldienst gewährleisten. Zugleich trat er erneut immer wieder aufkommenden Befürchtungen entgegen, die Post AG könnte die Zustellung an Samstagen aufgeben. Im Gegenteil überlege der Konzern derzeit, ob und wie eine Sonntagszustellung für einen ausgewählten Kundenkreis einzurichten wäre.

Für das laufende Jahr bekräftigte Zumwinkel die Voraussage eines operativen Gewinns (Ebit) von mindestens 3,6 Milliarden Euro, das wären mindestens drei Prozent mehr als 2006, wo allerdings Sondereinflüsse das Ebit sogar auf 3,9 Milliarden Euro getrieben hatten. Mit Blick auf die Marktöffnung im Briefdienst zum Jahresende kündigte Zumwinkel eine "breit angelegte Markenkampagne" an. Außerdem wolle die Post an allen Sparten - neben Brief die Bereiche Express, Logistik und Finanzdienstleistungen - die Kundenorientierung ihrer weltweit 520 000 Mitarbeiter durch umfangreiche Schulungsmaßnahmen weiter verbessern.

Zumwinkel gab zugleich einen Wechsel im Vorstand bekannt. Brief-Vorstand Hans-Dieter Petram, der gemeinsam mit ihm die Deutsche Post World Net aufgebaut habe, gehe in den wohlverdienten Ruhestand. Nachfolger wird zum 1. Juli der 42-jährige Jürgen Gerdes, bislang Vorsitzender des Bereichsvorstands Brief Deutschland. Gerdes werde sich auf das Brief- und Paketgeschäft in Deutschland konzentrieren. Brief International und Mehrwertleistungen seien im Vorstand künftig bei Geschäftskundenvorstand Frank Appel angesiedelt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Die Behörden in der Schweiz haben einen Zulassungsstopp für bestimmte Modelle des Porsche Cayenne verhängt. Grund dafür ist der Umweltschutz.
Schweiz verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche-Cayenne-Wagen
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat sein Interesse an der Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin signalisiert.
Unternehmer Wöhrl will insolvente Air Berlin übernehmen
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken
Eine Komplettübernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einem starken Monopol verhelfen.
Studie: Lufthansa-Monopol droht vor allem auf innerdeutschen Strecken
Wöhrl gibt offizielles Angebot für Air Berlin ab
Kommt es bei Verhandlungen um die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin zu einer schnellen Lösung? Heute starten konkrete Verkaufsgespräche. Ein erstes …
Wöhrl gibt offizielles Angebot für Air Berlin ab

Kommentare