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Markus Braun: Der Wirecard-Chef führte Start-up in den Dax und dann in die Insolvenz

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Markus Braun, Wirecard-Vorstandsvorsitzender, während eines Fototermins in der Firmenzentrale.
Wirecards ehemaliger Chef und Großaktionär Markus Braun spielt eine Schlüsselrolle im Krimi um den insolventen Zahlungsdienstleister. © picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Mit Markus Braun hat sich der Wirecard-Gründer nach einem Haftbefehl den Behörden gestellt. Wie geht es in dem Bilanzskandal-Krimi weiter?

München / Aschheim – Markus Braun ist eine Schlüsselfigur in dem Bilanzskandal von Wirecard. Als Wirecard-Gründer und CEO ist der gebürtige Österreicher – bis zuletzt war Wien auch sein Wohnort – mit dem Finanzdienstleister zum Milliardär aufgestiegen, bevor er sich nach einem Haftbefehl nun vor Gericht wegen einem der mutmaßlich größten Bilanzskandale der Bundesrepublik Deutschlands verantworten muss. Fast zwei Milliarden Euro sind aus dem DAX-Konzern spurlos verschwunden oder waren niemals vorhanden. Über das Privatleben des Unternehmers ist erstaunlich wenig bekannt: Markus Braun hat an einer Universität in Wien Wirtschaftsinformatik studiert und lebt dort zusammen mit seiner Familie – seiner Frau und seiner Tochter. Seine Eltern arbeiteten beide als Lehrer.

Markus Braun: Das wird ihm in einem Haftbefehl vorgeworfen

Gegen den Wirecard-Gründer liegt nicht nur ein Haftbefehl vor: Die Staatsanwaltschaft München I stellte gleich drei Haftbefehle gegen Markus Braun und andere ehemalige Führungskräfte. Vorgeworfen wird Braun, seit fünf Jahren systematisch Bilanzen gefälscht zu haben. Zudem wird wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrug und Marktmanipulation in mehreren Fällen ermittelt. „In Vernehmungen wird von einem streng hierarchischen System, geprägt von Korpsgeist und Treueschwüren gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden als Führungsperson berichtet“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nachdem sich Markus Braun den Behörden gestellt hatte, kam er im Juni 2020 gegen fünf Millionen Euro Kaution und weitere Auflagen frei. Unter anderem muss sich der ehemalige Wirecard-CEO jeden Mittwoch bei der Polizei in München melden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wurde der Vollzug des Haftbefehls zur Sicherung des Hauptverfahrens als nicht erforderlich angesehen. Ein Grund dafür war, dass Braun sich selbst gestellt hatte. „Der Haftbefehl ist damit nicht etwa aufgehoben, sondern wird derzeit nur nicht vollzogen„, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Markus Braun: So hoch ist das Vermögen des ehemaligen CEOs

Als Vorstandschef war Markus Braun auch der größte Einzelaktionär von Wirecard. Sein Aktienanteil war 2019 noch mehr als eine Milliarde Euro wert. Zu seinem Vermögen zählte natürlich auch sein Gehalt, das er als CEO beim Finanzdienstleister einstrich. 2018 lag das Grundgehalt bei 1,6 Millionen Euro inklusive Nebenleistungen und verschiedenen Boni. Insgesamt landeten 2018 rund 3,5 Millionen Euro von der Wirecard AG auf seinem Konto. Im Juni 2020 hat Markus Braun dann einen großen Teil seiner Aktien an dem von dem Bilanzskandal bedrohten DAX-Unternehmen Wirecard abgestoßen. In einer Serie von Verkäufen hat er insgesamt 155 Millionen Euro erlöst, wie Wirecard in mehreren Ad-hoc-Mitteilungen mitteilte. Laut den vier Pflichtmitteilungen, die von Wirecard verschickt wurden, wurden die Aktien aus dem Besitz von Braun zu Stückpreisen zwischen 43,96 Euro und 26,64 Euro verkauft. Als Grund wurden sogenannte Margin Calls genannt, das heißt, Braun war im Grunde gezwungen die Aktien zu verkaufen.

Die Karriere von Markus Braun im Überblick

Die Beraterfunktionen von Markus Braun

Seit 2017 war Markus Braun Mitglied der vom Bundeskanzleramt Österreich eingerichteten „Stabstelle für Strategie, Analyse und Planung“ („Think Austria“) unter der Leitung von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Zudem arbeitete er als Berater für die Deutsche Bank mit Fokus auf das digitale Bankgeschäft.

BaFin zeigt Ex-Wirecard-Chef Markus Braun wegen Insiderhandel an

Kurz bevor die Wirecard AG offiziell Insolvenz anmeldete, verkaufte die Beteiligungsgesellschaft MB ihre Aktien. Initiator des Aktienverkaufs war Markus Braun, weshalb die BaFin Insiderhandel vermutet. Eine Sprecherin der Behörde sagte, man habe bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige gegen die MB Beteiligungsgesellschaft erstattet, hinter der Braun steht. Dabei gehe es um den Verkauf von Wirecard-Aktien für 6,6 Millionen Euro am 24. Juni – also am Tag bevor der Zahlungsabwickler Insolvenz anmeldete. Weitere Verkäufe für 3,4 Millionen Euro durch MB zwei Tage vorher würden noch untersucht, sagte die Behördensprecherin.

Auch die Transaktionen, die der ehemalige CEO privat getätigt hatte, indem er einen Teil seines Aktienpakets von acht Prozent am 18. und 19. Juni für 155 Millionen Euro verkauft hatte, sollen laut BaFin auf Insiderhandel hin untersucht werden.

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