Ein Marrakesch für Wolfsburg: 1000 VW-Stellen bleiben im Land

- Wolfsburg - Groß war die Freude in Wolfsburg. Volkswagen und IG Metall hatten sich in einer Nachtsitzung auf den Bau des kleinen Geländewagens in der niedersächsischen Stadt geeinigt. 1000 Jobs werden so bis 2011 gesichert. Doch die Freude hielt nicht lang: "Allen Leuten, die glauben, dass damit alle Probleme gelöst sind, muss ich sagen, dass es nicht so ist", stellte VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nach der Einigung fest.

Die nächste Runde im Ringen mit der Gewerkschaft ist absehbar. Weil die 1000 Jobs nicht unter dem Haustarifvertrag, sondern nach dem 20 Prozent billigeren Modell "Auto 5000" bezahlt werden, hatte Bernhard ein Bonbon für die Gewerkschaft: Zwei weitere Modelle will VW im Rahmen des Haustarifvertrages ab 2008 in Emden und Wolfsburg bauen. Mit diesem Versprechen kann die IG Metall ihr Gesicht wahren, denn der Haustarifvertrag ist das Heiligste für die Gewerkschaft. Doch für beide Modelle müssen "Kostenoptimierungen im Rahmen des Haustarifvertrages" getroffen werden und hier droht neuer Streit.

Bankanalysten sind sich einig, dass der Vorstand dazu in der Praxis Personalkosten durchsetzen wird, die ähnlich niedrig wie bei "Auto 5000" sind. "VW will den teuren Haustarifvertrag umgehen und wird die Restrukturierung vorantreiben", erwartet etwa Pia Hellbach von Union Investment. Bernd Schimmer von der Hamburger Sparkasse sieht die IG Metall schon am Boden: "Es war schon fast egal, zu welchem Preis, Hauptsache Arbeit kommt nach Wolfsburg", sagt er.

Der Haustarifvertrag ist die Basis, auf der die IG Metall ihre Macht bei VW aufbaut. In kleinen Schritten hatte die Gewerkschaft über Jahre bei VW immer etwas bessere Bedingungen und immer etwas höhere Lohnsteigerungen durchgesetzt als bei anderen Metallunternehmen. Im Ergebnis verdienen die VW-Arbeiter heute 20 Prozent mehr als andere Metaller. Das passt Konzernchef Bernd Pischetsrieder und seinem Kostensenker Bernhard gar nicht. Nachdem in allen anderen Bereichen die Sparschrauben schon stramm gezogen worden sind, fordern sie nun Zugeständnisse bei Lohn und Gehalt.

Schon vergangenes Jahr wurden dem Management die Erfolgsprämien gekürzt, denn die Marke Volkswagen steckt in den roten Zahlen. Nun sollen die einfachen Arbeiter folgen. Im November 2004 machte die IG Metall erste Zugeständnisse. Gegen eine Jobgarantie für 103 000 Festangestellte bis 2011 stimmte die Gewerkschaft einer zweijährigen Nullrunde zu.

Doch Bernhard will keine eingefrorenen Löhne, sondern niedrigere Personalkosten. Er weiß, dass die deutschen Werke zum heutigen Lohnniveau nicht profitabel zum Beispiel in die USA exportieren können. Und auch in Europa sind höhere Preise kaum durchzusetzen. Selbst Betriebsratschef Bernd Osterloh stellt im NDR fest: "Wichtig ist, dass Produkte emotional überzeugen, aber auch vom Preis." Zwar steht auch er hinter dem Tarifvertrag. Ihm ist aber klar: "Man kann nicht mit einem Unternehmen Tarifverträge abschließen, das keine Gewinne macht." VW spricht schon drohend vom "noch zu modifizierenden Haustarifvertrag" in Emden und davon, das die "Wettbewerbsfähigkeit am Standort Wolfsburg" weiter verbessert werden müsse. Das klingt nach weiterem Ärger.

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