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"Marshallplan" für Athen mit vielen Fragezeichen

Berlin - Die Wirtschaftsmacht Deutschland soll den Pleitekandidaten Athen auf Erfolg trimmen. Es wird aber wohl Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis Griechenland wieder Anschluss findet.

An guten Vorschlägen für Athen aus Wirtschaft und Politik mangelt es nicht. Pensionierte Berufsschullehrer oder ergraute Ex-Manager mit “Treuhand“-Wissen aus der Wendezeit sollen sich für Feuerwehreinsätze in der Verwaltung am Peloponnes bereithalten. Auch die weltweit geschätzten deutschen Entwicklungshelfer könnten den Griechen zeigen, wie man nachhaltig wirtschaftet.

Diese Aspekte des “Investitionsgipfels“ der Bundesregierung für das hoch verschuldete Euroland zeigen, wie ernst die Lage in Griechenland ist. Bei der Pressekonferenz von Wirtschaftsminister Philipp Rösler drängte sich am Mittwoch zeitweise der Eindruck auf, hier werde über Aufbauhilfen für ein von Krieg oder Naturkatastrophen verwüstetes Land geredet.

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Rösler widersprach energisch. Griechenland sei natürlich kein Entwicklungsland. Es gebe durchaus Strukturen, auf die man aufbauen könne. Seine Initiative, Griechenland bei seiner Modernisierung zu helfen, soll nicht als Belehrung des kleinen, fast bankrotten EU- und Euro-Partners durch die Wirtschafts-Supermacht herüberkommen.

Der FDP-Chef sieht eher Parallelen zum Wendeprozess in der Ex-DDR und anderen früheren Ostblockstaaten. Klar ist danach, dass die Aufbauhilfe für Athen nur als gemeinsame europäische Kraftanstrengung gelingen kann. Die Industrie warnt bereits vor einseitigen Hilfen aus Deutschland, die den Wettbewerb verzerren könnten.

Rösler machte deutlich, dass es keine neuen Steuergelder für Wirtschaftsprojekte geben wird. Vielmehr sollen deutsche Behörden, Verbände und Firmen mit ihrem Know-how den Griechen zeigen, wie Staatseigentum privatisiert wird und eine moderne Verwaltung funktioniert.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ließ sich zuletzt darüber aus, dass die Griechen es noch nicht einmal schafften, EU-Förderanträge richtig auszufüllen und so dringend benötigte Gelder verfielen. Zudem schrecken jahrzehntelange Vetternwirtschaft, marode Infrastrukturen und ständige Streiks internationale Investoren ab. Die deutschen Direktinvestitionen lagen 2009 wertmäßig bei nur 3,4 Milliarden Euro.

Große Hoffnungen setzt die Bundesregierung nun in den Ausbau der erneuerbaren Energien in dem sonnenreichen Inselparadies im Mittelmeer. Politiker träumen von großen Wind- und Solarparks, die grünen Strom in die europäischen Ballungsgebiete liefern.

Griechenland hat mancherorts doppelt so viele Sonnenstunden wie Deutschland mit meist nur etwa 1000 pro Jahr. “Die griechische Wirtschaft hätte damit ein wettbewerbsfähiges Exportgut, und ein begehrtes dazu“, meinte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unlängst.

Doch es gibt große Zweifel, ob diese Vision sich erfüllt. Erst müssten Milliarden in das marode Stromnetz fließen, was angesichts der gigantischen Verschuldung derzeit aber utopisch erscheint. Und womöglich würden die Griechen ihre Solarmodule eher in China und nicht in Deutschland bestellen. Auch würde griechischer Solarstrom durch den weiten Leitungsweg nach Zentraleuropa seine Kostenvorteile weitgehend einbüßen.

Nach Angaben der Photovoltaik-Branche wurden in Griechenland im vergangenen Jahr Solar-Anlagen mit einer Nennleistung von lediglich 150 Megawatt installiert, 2011 seien es bisher rund 300 Megawatt. Das ist eher mickrig. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2010 neue Photovoltaik-Anlagen mit 7400 Megawatt ans Netz angeschlossen, die bei voller Sonneneinstrahlung dem Strom von sechs Atomkraftwerken erzeugen.

dpa

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