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Maue Rendite, hohe Kreditzinsen: Das können Sie tun

München - Die Banken bekommen ihr Geld so günstig wie nie von der Europäischen Zentralbank, die Kunden spüren davon nichts: Maue Rendite für Anleger, zweistellige Zinsen für Kontoüberzieher. Die Verbraucher sind dem aber nicht hilflos ausgeliefert.

Kurzzeitig schien es so, als wäre die heftige Kritik an den hohen Dispozinsen bei den Banken angekommen. Zumindest hatte man im Bundesverbraucherministerium den Eindruck, dass sich etwas bewegt. Spitzenwerte von fast 20 Prozent Überziehungszinsen, wie sie noch 2010 erfasst wurden, waren 2011 nicht mehr vertreten. Doch nun geht es offenbar wieder in die andere Richtung: Die Deutsche Bank wird ab dem ersten Juli eine feste Gebühr von 6,90 Euro im Quartal erheben, wenn Kunden ihren Dispokredit überziehen. Bei der Targobank beträgt die Gebühr 2,95 Euro – im Monat. Verbraucherschützer sind entrüstet: Die Banken erhalten weiter zu einem historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld, geben das aber nicht an ihre Kunden weiter.

Zinssatz von 2760 Prozent

„Ausgerechnet die Banken, die eh schon sehr hohe Dispo- und Überziehungszinsen haben, erheben auch noch Gebühren“, schimpft Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Die Deutsche Bank hat einen Dispozins von 12,75 Prozent. Dieser greift, wenn Kunden innerhalb des vorgeschriebenen Dispo-Rahmens Geld abheben. Hierbei handelt es sich um den „eingeräumten Kredit“. Noch teurer wird es beim „geduldeten Kredit“, also wenn das Konto über den vereinbarten Dispo überzogen wird. Die Commerzbank lässt sich das schnelle Geld mit 18,74 Prozent bezahlen, auch die Deutsche Bank gehört mit aktuell 17,50 Prozent zu den Spitzenreitern des Überziehungszinses.

Mit dem Mindestpreis von 6,90 Euro setzt sie nun aber noch einen drauf, meint Finanzberater Herbst. Die feste Gebühr wird fällig, wenn jemand den „geduldeten Kredit“ in Anspruch nimmt – selbst bei sehr kleinen Beträgen. Nur wenn die angefallenen Zinsen den Mindestpreis übersteigen, zahlen Bankkunden wieder den Überziehungszins. Egal wie man es dreht: Es ist ein krasser Nachteil für die Kunden.

Herbst rechnet vor: Ein Bankkunde müsste drei Monate lang mit 160 Euro im Minus sein, damit die Zinsen höher sind als die neue Gebühr. Wirklich bombastisch klingt noch eine andere Zahl: 2760 Prozent. Diesem Zins käme die Gebühr gleich, wenn jemand theoretisch ein Jahr lang sein Konto mit einem Euro überzieht.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank begründet die Gebühren damit, dass selbst bei kleinsten Beträgen ein Aufwand entsteht: Mitarbeiter müssen den Vorgang überprüfen und freigeben. Häufig nennen Kreditinstitute noch andere Gründe: Dispo-Geld ist schnelles Geld für den Kunden, eine Dienstleistung der Bank, die das wiederum nicht vorher einplanen kann und ein Risiko trägt.

„Wenn das so ist, müssen die Banken das nachweisen können“, sagt hingegen ein Sprecher des Bundesministeriums für Verbraucherschutz. Und zwar jeden Euro, der mit Verwaltungsaufwand begründet wird. Die Banken würden von den Kunden am meisten nehmen, die eh schon am wenigsten haben, heißt es.

Das Verbraucherschutzministerium führe derzeit eine Studie durch, die die Praxis der Banken bei der Erhebung der Prozentsätze untersucht. Ergebnisse wird es allerdings erst im Sommer geben. Dann wird sich entscheiden, ob Schritte gegen die Banken eingeleitet werden.

Direktbanken bieten niedrigere Zinsen

Die Verbraucherzentrale NRW hat einen Dispo-Leitfaden für Bankkunden auf ihrer Webseite. Empfohlen wird, die Konditionen der Banken sorgfältig zu vergleichen und notfalls zu wechseln. Vor allem Direktbanken würden oft niedrigere Zinsen anbieten, doch auch einige Filialbanken haben günstige Konten. Wichtig: Bei einem geplanten Wechsel nicht nur auf die Dispozinsen schauen, sondern weitere Kriterien in die Entscheidung einbeziehen – wie die Höhe der Kontoführungsgebühren oder die Größe des Geldautomatennetzes.

Die Verbraucherschützer warnen davor, den Dispo dauerhaft zu nutzen. Er sei allenfalls dafür gedacht, schnell die zu hoch geratene Handwerkerrechnung zu begleichen. Die Bankkunden kämen in jedem Fall besser mit einem günstigen Ratenkredit davon.

Rubriklistenbild: © dpa

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