Mauscheleien für Milliarden

- München - Sport-Berichterstattung gegen Geld, immer neue Korruptionsvorwürfe bei Volkswagen oder Schleichwerbung in der ARD - diese Skandale beherrschen zurzeit die Schlagzeilen. Während die Organisation Transparency International diese stark beachteten Affären nicht als repräsentativ gelten lassen will, warnt der Korruptionsexperte Uwe Dolata vor einem ungeahnten Ausmaß der Korruption.

Aus Fällen wie der Wildmoser-Affäre um die neue Münchner Fußballarena oder dem Schiedsrichter-Skandal in der Bundesliga zu schließen, Deutschland sei auf dem Weg in eine durch und durch korrupte Republik, hält Transparency International für falsch. Der Leiter dieser Antikorruptionsorganisation, Peter Eigen, glaubt vielmehr: "Dass Affären aufgedeckt werden, zeigt, dass das System funktioniert." Eigen ist auch überzeugt, dass die deutsche Öffentlichkeit heute sehr viel weniger Geduld mit korrupten Machenschaften walten lässt. "Vor fünf Jahren hätten derartige Affären weniger Empörung ausgelöst", glaubt der ehemalige Weltbank-Manager, der sich mit dem gemeinnützigen Verein Transparency International dem Kampf gegen Vetternwirtschaft verschrieben hat.Generell empfiehlt der Korruptions-Experte großen Unternehmen wie etwa Volkswagen, klare Regeln für den Umgang mit Geschäftsreisen oder das Verhalten gegenüber Außenstehenden. Transparency International hat dementsprechend einen Leitfaden "A-B-C der Korruptionsbekämpfung" zusammengestellt, der sich mit Bestechung, Vorteilsgewährung, Submissionsbetrug und anderen Spielarten der Vetternwirtschaft im nationalen und internationalen Geschäftsverkehr befasst.Allen Appellen zum Trotz - einige Branchen sind offenbar besonders anfällig für Korruption, und häufig zählen Bauunternehmen dazu. So wird in der Schmiergeldaffäre beim Autoriesen Daimler-Chrysler Ex-Mitarbeitern unter anderem Untreue im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe für Bauleistungen sowie Bestechlichkeit und Bestechung vorgeworfen. Sie sollen von einem Geschäftspartner unzulässige Sachzuwendungen erhalten haben. In dem 2004 aufgeflogenen Frankfurter Immobilienskandal sind inzwischen mehr als 100 Verdächtige ins Visier der Ermittler geraten. Bei der Auftragsvergabe von Bauvorhaben sollen Bestechungsgelder geflossen sein. Betroffen sein sollen Banker, Architekten und Projektentwickler.Uwe Dolata, Sprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Bayern und Lehrbeauftragter für Anti-Korruptionsstrategien an der FH Würzburg, hat ein nach Branchen aufgegliedertes Lagebild der Korruption erstellt. Demnach gibt es in der Baubranche die meisten Geber, während im Gesundheitswesen die meisten Nehmer sitzen. Doch generell meint er: "Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass überall Korruption stattfindet. Wo noch nichts gefunden wurde, wurde noch nicht intensiv genug gesucht." Die Kriminalstatistik zeige ein verzerrtes Bild. Denn viele Korruptionsdelikte - gerade in der Privatwirtschaft - liefen unter Tatbeständen wie Betrug, die nicht als Korruption erkennbar sind. Er fordert zusätzliche Anstrengungen bei der Analyse der Korruption. Schätzungen zufolge, sagt Dolata, könnten die Steuerausfälle und Mehrausgaben des deutschen Staates wegen Korruption jedes Jahr bis zu 200 Milliarden Euro betragen.

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