Maut: Das Chaos ist programmiert

- Berlin - Zum Jahrestag des Maut-Desasters übt sich der Verkehrsminister wieder einmal in Optimismus: "Es gibt keinen Hinweis, dass das System zum Jahresbeginn 2005 nicht starten könnte", sagt Manfred Stolpe. Ursprünglich sollte die Lkw-Maut bereits seit 1. September 2003 funktionieren. Kritiker halten es für möglich, dass das Projekt notfalls ein drittes Mal verschoben wird.

<P>Dabei hat das satellitengestützte Maut-System gerade einen ersten Belastungstest bestanden: 24 Stunden wurde der Datenabgleich getestet. Zwar versagte das System für insgesamt 60 Minuten, in dieser Zeit seien jedoch nur wenige mautpflichtige Fahrzeuge entwischt, beschwichtigt Toll Collect. Nicht die komplizierte Technik, sondern die Flaute in den Lkw-Werkstätten bereitet dem Betreiberkonsortium Kopfzerbrechen. </P><P>Bis Jahresende sollen in den Führerkabinen der Lastwagen 500 000 Funkempfänger - so genannte On Board Units (OBU) - eingebaut sein. Bisher sind jedoch nur 45 000 Geräte installiert worden. 100 000 OBUs liegen auf Halde. Wird der Einbau nicht drastisch beschleunigt, droht der Starttermin am 1. Januar 2005 zu platzen. <BR><BR>Ohne einen Empfänger im Führerhaus sind Lkw-Fahrer gezwungen, ihr Maut-Ticket per Hand an einem der 3500 Automaten zu kaufen. Das Chaos an den Raststätten ist programmiert. Wer ist schuld an der Verzögerung? Toll Collect und Transportgewerbe schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Es stehen genügend neue Geräte zur Verfügung, sagt Toll-Collect-Manager Christoph Bellmer. Täglich könnten 5000 OBUs eingebaut werden - tatsächlich seien es nur 2000.</P><P>Der Bundesverband Güterkraftverkehr dreht den Spieß um: Toll Collect habe zu wenige Empfänger produziert, der Termin Anfang 2005 sei nicht zu halten. "Eine Mautverschiebung um zwei bis drei Monate würde die nötige Sicherheit bringen, um den Einbaurückstand aufzuholen", so Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt. Solche Forderungen sorgen in der Regierung für Kopfschütteln. "Die Speditionen sind jetzt ein Jahr lang zum Nulltarif gefahren und wollen nun die Startphase noch einmal um drei Monate hinauszögern. Das ist ein durchsichtiges Manöver", protestiert Verkehrsexperte Albert Schmidt (Grüne). </P><P>Monat für Monat beklagt das Bundesverkehrsministerium Mauteinbußen von 156 Millionen Euro. Für 2005 kalkuliert Stolpe - wegen des höher angesetzten Verkehrsaufkommens - mit Erlösen von insgesamt 3 Milliarden Euro. Wie groß die Zuversicht des Verkehrsministers ist, bleibt offen. Nach einem Gespräch mit Toll-Collect-Managern verkündete Stolpe in behutsamem Beamtendeutsch, das Projekt erfordere "weiterhin die höchsten Anstrengungen aller Beteiligten". Toll Collect habe jedoch "maßgebliche Voraussetzungen für den Mautstart geschaffen". Fragt sich nur: Wann? Der Verkehrspolitiker Schmidt jedenfalls zeigt sich "sehr zurückhaltend": "Wir haben schon viele Versprechungen gehört."<BR></P>

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