MD-Papierfabrik wird dichtgemacht

- Dachau -­ Die Stadt Dachau verliert ihren größten Arbeitgeber. Wie der finnische Myllykoski-Konzerngestern mitteilte, wird die traditionsreiche MD-Papierfabrik bis Ende Juli 2007 dichtgemacht und die Produktion an den niederbayerischen Standort Plattling verschoben.

Dadurch gehen in Dachau 350 Stellen verloren. Dachaus Bürgermeister Peter Bürgel (CSU) sagte: "Es ist auch ein Einschnitt für die Stadt. Mit dem heutigen Tag geht eine Ära zu Ende."

Myllykoski-Deutschland-Chef Bernhard Ludwig begründete die Schließung bei einer Pressekonferenz mit der sich zuletzt deutlich verschlechterten Auftragslage. Die Situation habe sich "in den letzten Wochen extrem zugespitzt", sagte Ludwig. Schon in den vergangenen Jahren habe es Probleme gegeben, da auf dem Markt große Kapazitäten vorhanden sind.

Zudem seien die Anlagen in Dachau alt, während in Plattling ein leistungsfähiger Standort sei. Die Mitarbeiter in Dachau hätten aber "einen guten Job gemacht". Er empfahl ihnen, sich für das neue Werk im rund 135 Kilometer entfernten Plattling zu bewerben. Eine Garantie für eine Übernahme wollte Ludwig allerdings nicht aussprechen.

Die Belegschaft zeigte sich schockiert, als sie am Nachmittag bei einer Betriebsversammlung informiert wurde. Zwar hatte es schon länger Gerüchte über eine Schließung des Werks gegeben, doch die Geschäftsleitung hatte diese wiederholt als "aus der Luft gegriffen" bezeichnet. Noch Anfang des Monats habe die Geschäftsführung versichert, "so lange in Dachau noch Geld verdient wird und die neue Papiermaschine in Tschechien noch nicht gebaut ist, bleibt Dachau erhalten", sagte Betriebsratschef Werner Popfinger.

Die München-Dachau (MD) Papierfabrik ist einer der ältesten Betriebe Dachaus. 1862 wurde das Unternehmen gegründet, im Laufe der Jahrzehnte entwickelte es sich zu den größten Papierfabriken Deutschlands. Unter anderem wurde dort das Papier für die Satirezeitung "Simplicissimus" hergestellt und während der Räterepublik sogar Geldnoten. Vor mehreren Jahren übernahm Myllykoski das Werk.

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