Media-Saturn streicht 3000 Stellen

Aschaffenburg - Geiz ist nicht mehr geil. Die Elektronikketten Media Markt und Saturn zogen jahrelang mit aggressiver Werbung die Kunden scharenweise in ihre Läden. Jetzt erweist sich immer mehr das Internet als starke Konkurrenz.

Der gnadenlose Preiskampf bei Fernsehern, DVD-Playern und Kameras geht in eine neue Runde: Europas führender Elektronikhändler Media-Saturn streicht als Reaktion auf die wachsende Billigkonkurrenz aus dem Internet europaweit 3000 Stellen.

Um weitere Preissenkungen in den Läden umsetzen zu können, will Media-Saturn eine halbe Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren einsparen, gab die Geschäftsführung am Dienstag in Aschaffenburg bekannt. Die erfolgsverwöhnte Tochter des Metro-Konzerns schrieb in den zurückliegenden drei Monaten erstmals seit Jahrzehnten rote Zahlen. Preissenkungen und Online-Aufbau schmälerten das Ergebnis.

Mit dem Start der deutschen Online-Shops von Saturn im Oktober und Media Markt im Januar sollen ab dann 2500 Artikel in den Märkten der beiden Ketten zu den selben Preisen wie im Internet angeboten werden. Diese Artikel machten die Hälfte der Verkäufe in den Läden aus. 2012 soll die Zahl der Artikel, die Online und im Laden zum selben Preis zu haben sind, auf 5000 bis 8000 ausgeweitet werden. Diese Artikel sollen unter dem Internet-Durchschnittspreis angeboten werden.

Der Mutterkonzern Metro dringt auf eine schnelle Neuausrichtung: “Kein Geschäftsmodell der Welt ist für die Ewigkeit“, sagte Metro- Finanzvorstand Olaf Koch zu den Veränderungen bei Media-Saturn. Er räumte ein, dass die Elektroniktochter des Düsseldorfer Konzerns mit ihrer geplanten Online-Offensive spät dran sei. Die Neuausrichtung unter der seit Jahresanfang tätigen neuen Geschäftsführung stärke Media-Saturn. Der Konzern hielt seine Prognose für 2011 aufrecht.

Media-Saturn beschäftigt 68 000 Mitarbeiter. Ohnehin sinkt die Mitarbeiterzahl durch den Rückzug von Saturn aus Frankreich um 2100 in diesem Jahr. Der jetzt angekündigte Abbau von 3000 Stellen in diesem Jahr komme hinzu und betreffe Verwaltungsjobs, erläuterte die Geschäftsführung. Unter anderem sollen Aufgaben gebündelt werden. Der Verkauf in den Media- und den Saturn-Märkten sei nicht betroffen. Den schon laufenden Stellenabbau wolle man zum Großteil damit erreichen, das freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Entlassungen seien nicht geplant.

Bereits im ersten Halbjahr hatten Media Markt und Saturn mit Preissenkungen und Rabattaktionen auf die schwächere Nachfrage reagiert. Außerdem drückten der Aufbau des Online-Geschäftes sowie Verluste in Frankreich und China das Ergebnis. Media-Saturn verbuchte deshalb im zweiten Quartal 2011 einen operative Verlust von 44 Millionen Euro. In der Vergleichszeit des Vorjahres war noch ein operativer Gewinn von 41 Millionen Euro verbucht worden.

Der Handelsriese Metro, zu dem auch die Metro-Großhandelsmärkte, der Lebensmittelhändler Real und die Warenhauskette Kaufhof gehören, hat seit Anfang 2009 bereits konzernweit 19 000 Stellen gestrichen. Mit den neuen Einschnitten werden es insgesamt 22 000 Stellen sein.

dpa

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