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Douglas, MediaMarkt-Saturn, Esprit: Alarm in den Innenstädten - 120.000 Läden vor dem Aus

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Von: Thomas Schmidtutz

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Esprit, Media-Markt-Saturn, Douglas: Bundesweit streichen immer mehr Handelsketten ihre Filialnetze zusammen. Für Einkaufsstraßen und Shoppping-Center bedeutet das nichts Gutes.

Düsseldorf – In den deutschen Innenstädten prägten jahrelang große Handelsketten wie Douglas, Esprit oder Media-Markt-Saturn das Bild. Doch jetzt drohen tiefe Einschnitte. Denn wegen der Corona-Pandemie und des Siegeszugs des Onlinehandels streichen zahlreiche Handelsketten ihre Filialnetze radikal zusammen. Das reißt immer größere Lücken in den Innenstädten und Shopping-Centern.

Wie ernst die Lage ist, zeigte sich erst am Mittwoch (31. März) wieder. Deutschlands größter Elektronikhändler Media-Markt-Saturn will bis zum Herbst 2022 hierzulande 13 seiner insgesamt 419 Märkte schließen, bis zu 1000 Mitarbeiter müssen gehen. Das erklärte die Deutschland-Geschäftsführung des Unternehmens in einem Brief an die Mitarbeiter.

Media-Markt-Saturn: Corona-Pandemie beschleunigt Online-Handel

Die Pandemie habe das Einkaufsverhalten nachhaltig verändert, begründete die Geschäftsleitung die Einschnitte. Immer mehr Kunden erledigten ihre Einkäufe im Internet. Zuletzt sei in Deutschland mehr als die Hälfte des Umsatzes des Elektronikhändlers online gemacht worden, berichtete ein Unternehmenssprecher. Dies zwinge das Unternehmen, Anzahl und Größe der stationären Märkte auf die neuen Gegebenheiten auszurichten.

„Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Geschäftsführung unumgänglich, von den derzeit 419 Märkten in Deutschland voraussichtlich 13 Märkte zu schließen“, hieß es in dem Schreiben. Die betroffenen Filialen ließen sich nach sorgfältiger Analyse nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben.

Douglas: Parfümeriekette streicht jede siebte Filiale

Auch bei anderen Händlern regiert der Rotstift. Deutschlands größte Parfümeriekette Douglas will fast jede siebte Filiale in der Bundesrepublik schließen. Der Konzern reagiert mit dem Aus für rund 60 der mehr als 430 Filialen in der Bundesrepublik ebenfalls auf die immer schnellere Verlagerung der Umsätze ins Internet, erklärte Douglas-Chefin Tina Müller. Rund 600 der über 5200 Beschäftigen in den deutschen Filialen verlieren dadurch ihre Jobs.

Dabei gehört Douglas - wie Media-Markt-Saturn - zu den Unternehmen, die den Sprung in den Onlinehandel und die Corona-Krise bislang vergleichsweise gut bewältigt haben. Viele andere Ketten, ob Galeria Karstadt Kaufhof, Esprit oder Gerry Weber haben ihr Filialnetz - teilweise im Zuge von Insolvenzverfahren - bereits im vergangenen Jahr kräftig ausdünnen müssen. Und zahlreiche weitere Schließungen dürften folgen. Das glauben zumindest viele Experten.

Institut für Handelsforschung: Corona beschleunigt Strukturwandel

Durch die Pandemie habe sich der Strukturwandel im Handel um rund sieben bis acht Jahre beschleunigt, heißt es in einer aktuellen Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). Onlinewachstum und Geschäftsaufgaben in den Einkaufsstraßen erfolgten deshalb aktuell mit nie da gewesener Dynamik. „Bis 2023 werden bis zu einem Fünftel der stationären Läden ihre Türen schließen müssen - also bis zu 80.000 Geschäfte“, prognostizierten die Kölner Wissenschaftler. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet sogar das Aus für bis zu 120.000 Geschäfte.

Studie: Bekleidungshändler trifft die Krise besonders hart

Mit am härtesten trifft es den Textilhandel. Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung KPMG und des Handelsforschungsinstituts EHI dürfte schon 2030 die Hälfte der Mode in Deutschland online gekauft werden. Damit würde sich der Marktanteil der Onlinehändler verdoppeln - mit entsprechenden Folgen für die Innenstädte.

Branchenkenner gehen deshalb davon aus, dass die Innenstädte in den nächsten Jahren ihr Gesicht dramatisch verändern werden. Wo heute noch der Modehandel, Schmuckgeschäfte, Elektronikmärkte und Parfümerien dominieren, könnte eine neue Vielfalt einziehen. Angesichts des wachsenden Onlinehandels sei künftig ein neuer Mix aus Einkaufen, Wohnen, Dienstleistungen, Gewerbe, Kultur, Freizeit und Bildung nötig, ist etwa der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) Stefan Genth überzeugt. „Das Modell der Innenstadt hat noch lange nicht ausgedient“, meint er. „Aber es wird anders aussehen.“ (dpa/utz)

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