Mediation: Die schnelle und günstige Alternative zum Gericht

- Deutschland ist ein Rechtsstaat. Doch bis man sein Recht bekommt, können Jahre vergehen. Diesen Prozess abzukürzen - und es vielleicht gar nicht erst zu einem gerichtlichen Prozess kommen zu lassen -, ist Ziel der Mediation. Bei Rechtsstreitigkeiten in Deutschland wird sie zunehmend eingesetzt, was den Beteiligten Zeit und Geld sparen kann.

<P>Mediation heißt übersetzt "Vermittlung". Die Parteien versuchen eigenverantwortlich, eine Lösung ihres Konflikts zu finden. Dabei werden sie von einem unabhängigen Dritten, dem Mediator, unterstützt. Anders als etwa ein Richter besitzt er keine Entscheidungsbefugnis. Vorteil: "Das Gesprächsklima ist viel offener, wenn die Parteien wissen, dass Aussagen nicht gegen sie verwendet werden können", sagt Andrea Boehnke von der Senatsverwaltung für Justiz in Berlin.<BR><BR>Zwei Formen</P><P>Zu unterscheiden sind im Rechtswesen zwei Formen der Mediation: Die außergerichtliche Mediation findet auf Initiative der Parteien bei einem Kommunikations-Profi oder Rechtsanwalt statt. Bei der gerichtsnahen Mediation wurde der Prozess bereits eröffnet, Mediator ist dann ein Richter. Finden die Parteien einen Konsens, wird die Vereinbarung als Vergleich in den Prozess eingebracht. In erster Linie sind es aber Rechtsanwälte, die nach einer entsprechenden Zusatzausbildung eine außergerichtliche Mediation anbieten. "In schwierigen Fällen empfiehlt sich aber eine Co-Mediation aus Anwalt und Psychologe", sagt Anwalt Ludwig Koch. Der größte Vorteil der Mediation ist, dass sie nicht an die starren Regeln und Abläufe des gerichtlichen Verfahrens gebunden ist.<BR><BR>Der Mediator versucht zwar, die Parteien sanft zu einer Lösung zu bewegen. Er dient dabei aber lediglich als Katalysator: "Der Mediator ist neutral und allparteilich", betont Koch. Er schätzt, dass 80 Prozent der Mediationen zum Erfolg führen.<BR><BR>Stundensätze</P><P>Rechtsanwälte, die Mediation anbieten, rechnen in der Regel nicht nach der Gebührenordnung, sondern nach festen Stundensätzen ab. Die Kosten liegen dem Deutschen Anwaltverein zufolge zwischen 120 und mehr als 300 Euro pro Stunde. Der Zeitaufwand steht aber in keinem Verhältnis zu dem eines Prozesses: "In einfachen Fällen dauert eine Mediation zwischen fünf und zehn Stunden", so Koch. Einige Rechtsschutzversicherungen kommen für die Kosten auf.<BR><BR>Wo es lohnt</P><P>Mediation verspricht nach Angaben des DAV vor allem dann Erfolg, wenn sich die Parteien kennen und nach Ende des Konflikts private oder geschäftliche Beziehungen aufrechterhalten wollen. Das gilt zum Beispiel für Ehescheidungen, vor allem wenn Kinder betroffen sind. Aber auch im Wirtschaftsleben, im Arbeits- und Baurecht oder beim Streit unter Nachbarn spielt die Mediation eine wichtige Rolle.<BR><BR>Die größte praktische Bedeutung hat die Mediation indessen beim Täter-Opfer-Ausgleich in Strafsachen erlangt. Die Initiative geht dabei meist von der Staatsanwaltschaft aus, aber auch hier gilt das Grundprinzip der Freiwilligkeit. "Es kann nur klappen, wenn beide Seiten möchten", so Jutta Klenzner vom Verein "Die Waage" in Hannover, der sich seit 1992 im Täter-Opfer-Ausgleich engagiert. Meist haben es die Mediatoren dabei mit Fällen von Körperverletzungen zu tun.<BR><BR>Für den Täter hat die Mediation handfeste Vorteile: Bei erfolgreichem Abschluss kann er auf eine Einstellung des Verfahrens oder eine Strafminderung hoffen. Doch auch die Gegenseite kann daran interessiert sein, sich die Tortur eines Prozesses zu ersparen.<BR></P>

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