+
Ein Dieselmotor TDI in einem Audi. Der Autohersteller gerät in dem Abgas-Skandal weiter unter Druck. Foto: Julian Stratenschulte

"Ohne Bescheißen" unmöglich

Medien: Brisante E-Mail belastet Audi im Abgas-Skandal

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte wird auch für die VW-Tochter Audi immer unangenehmer. Offenbar gab es intern schon frühzeitig Hinweise auf Abgas-Tricksereien. "Ganz ohne Bescheißen" seien die US-Grenzwerte nicht einzuhalten, hieß es demnach in einer E-Mail.

New York (dpa) - Die VW-Tochter Audi gerät wegen ihrer Rolle im Abgas-Skandal weiter unter Druck. Das berichten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die Dieselaffäre aufklären soll.

Bereits 2007 habe ein Ingenieur einem größeren Kreis von Managern des Autoherstellers in einer E-Mail geschrieben, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten.

Audi war kurz nach Bekanntwerden der Schummel-Vorwürfe gegen VW ebenfalls ins Visier der US-Ermittler geraten. Die Ingolstädter stehen im Verdacht, eine entscheidende Rolle beim Abgas-Schwindel gespielt haben. Audi hat zwar eingeräumt, eine unter US-Recht illegale Software zur Abgaskontrolle eingesetzt zu haben. Eine gezielte Täuschung stritt man bislang aber stets ab. Zu den neuen Details wollte sich ein Audi-Sprecher am Mittwoch nicht äußern.

Etwa 85 000 Dieselwagen aus dem VW-Konzern mit größeren 3,0-Liter-Motoren, die von Audi stammen, wurden in den USA mit verbotener Abgastechnik ausgestattet. Der Konzern ringt bei diesen Autos noch immer mit den Behörden um eine Lösung zur Beseitigung der Programme. Bei weiteren rund 480 000 kleineren Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren hat sich VW bereits mit dem US-Umweltamt EPA und Hunderten weiteren Zivilklägern auf Schadenersatz und einen Plan zum Rückruf oder Rückkauf der Fahrzeuge geeinigt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der EPA eingeräumt, seit 2008 Hunderttausende Dieselwagen in den USA mit einer Betrugs-Software zum Austricksen von Abgastests ausgerüstet zu haben. Dem Bericht von SZ, NDR und WDR zufolge haben die US-Behörden zahlreiche Informationen zusammengetragen, wonach Manager und Ingenieure von Audi an der Entwicklung und der Einführung jener Manipulations-Software beteiligt waren.

Bei der Aufklärung des Skandals gerät das Top-Management zunehmend in den Fokus der Ermittlungen. Wie "Spiegel online" am Dienstag meldete, gaben Zeugen an, Audi-Chef Rupert Stadler habe bereits im Jahr 2010 von den Manipulationen Kenntnis bekommen. Die Aufklärer von Jones Day wollten ihn dazu ausführlich im Rahmen der internen Untersuchung befragen. Kurz zuvor war Audi-Entwicklungschef Stefan Knirsch ins Visier geraten, weil er von dem Betrug gewusst haben soll.

SZ-Artikel

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Allianz-Deutschland-Chef wirft Handtuch
Turbulenzen bei der Allianz: Ein überraschender Rücktritt überlagert die Botschaft, die der Versicherer eigentlich an die Öffentlichkeit bringen will.
Allianz-Deutschland-Chef wirft Handtuch
Dax kaum verändert - Warten auf US-Notenbank
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich fürs Stillhalten entschieden. Vor den mit Spannung erwarteten Aussagen der US-Notenbank (Fed) zur …
Dax kaum verändert - Warten auf US-Notenbank
Niederlande erwarten hohes Wirtschaftswachstum
Den Haag (dpa) - Die Niederlande erwarten ein starkes Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent in diesem Jahr und 2,5 Prozent 2018. Die Entwicklung der Wirtschaft und der …
Niederlande erwarten hohes Wirtschaftswachstum
USA-Leistungsbilanz mit größtem Minus seit Ende 2008
Washington (dpa) - Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist im zweiten Quartal höher als erwartet ausgefallen. Der Fehlbetrag habe 123,1 Milliarden US-Dollar (102,7 Mrd …
USA-Leistungsbilanz mit größtem Minus seit Ende 2008

Kommentare