Mega-Fusion im Einzelhandel: Plus geht zu Edeka und wird Netto

Berlin - Edeka übernimmt Plus und wird damit nach Aldi und Lidl die Nummer drei im Bereich der Billig-Supermärkte. Das Bundeskartellamt hat die bisher größte Fusion im deutschen Einzelhandel genehmigt, aber an harte Bedingungen geknüpft.

Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der Netto-Mutter Edeka und der Plus-Mutter Tengelmann.

Von den deutschlandweit 2500 Plus-Märkten - in Bayern gibt es 300 - muss Tengelmann rund 360 verkaufen, vornehmlich in Ostdeutschland. Das ist eine der Bedingungen des Kartellamts, um eine Marktbeherrschung im Lebensmittel-Einzelhandel durch Edeka zu verhindern. Mit dieser hohen Anzahl habe man nicht gerechnet, sagte der Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub.

Er reagierte verhalten, schließlich haben sich die Ziele seines Unternehmens nur bedingt erfüllt. Man habe eine Partnerschaft mit Edeka angestrebt und herausgekommen sei "fast ein Unternehmensverkauf, was nicht unser Ziel war", kommentierte Haub die vom Kartellamt vorgegebenen Beteiligungsverhältnisse des Gemeinschaftsunternehmens Netto/Plus von 80:20.

Und das Kartellamt machte den Handelsriesen noch einen weiteren Strich durch die Rechnung: Die Wettbewerbshüter verbieten eine Zusammenarbeit zwischen Edeka und Tengelmann beim Wareneinkauf. Der Mülheimer Familienkonzern muss sich für seine Supermarktkette Kaiser's entgegen dem ursprünglichen Plan einen anderen Einkaufspartner als Edeka aussuchen.

Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer verwies dabei auf den Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel. Während 1999 noch acht große Handelsketten über rund 70 Prozent des deutschen Marktes verfügt hätten, teilten sich heute lediglich fünf Supermarkt- und Discountketten - Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Tengelmann - bereits 90 Prozent des Marktes.

Edeka begrüßte trotz der Auflagen die Entscheidung: "Wir freuen uns, dass wir die Bedenken des Kartellamtes ausräumen konnten", sagte Edeka-Vorstandssprecher Markus Mose. Edeka will nach eigenem Bekunden bis zum Jahr 2010 weitere 2500 Arbeitsplätze schaffen.

Die Auflagen der Wettbewerbshüter müssen innerhalb eines halben Jahres erfüllt werden, sodass der neue Discountriese Netto mit 10 Milliarden Euro Umsatz spätestens Anfang 2009 starten könnte. Die 25 000 betroffenen Plus-Angestellten sollen einer Edeka-Sprecherin zufolge übernommen werden. Auch werde die Marke Plus nicht komplett verschwinden: 750 Filialen vor allem in Innen- und Großstädten würden unter gleichem Namen, aber mit einem veränderten Konzept weitergeführt.

Für die rund 360 nun zum Verkauf stehenden Filialen gebe es bereits "verschiedene Interessenten", mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Edeka-Chef Mosa brachte gestern den Discounter Netto Deutschland, an dem sein Konzern zu einem Viertel beteiligt ist, ins Spiel. In Branchenkreisen gelten Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe und der Discounter Norma ebenfalls als mögliche Kandidaten. 

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