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Die Megatrends der Zukunft - und wie Siemens davon profitieren will

- Berlin - Die Welt verändert sich. Immer mehr Menschen leben in immer gigantischeren Städten. Straßen werden von immer mehr Autos verstopft, mehr Energie von Industriemaschinen, Klimaanlagen und Computern aufgesogen. Für die Menschheit ist das eine Herausforderung, für den Münchner Siemens-Konzern ein Geschäft.

Der Elektro-Riese sieht seine größte Chance als Infrastrukturanbieter genau dort, wo die Zukunftsprobleme der Welt liegen. Als der Chefkontrolleur von Siemens, Heinrich von Pierer, noch Vorstandsvorsitzender war, mündeten seine Reden gerne in Werbeshows für die neuesten Mobiltelefone des Hauses. Das hat sich erledigt. Handys gibt es nicht mehr bei Siemens. Auch sonst hat der Konzern kaum noch etwas mit privaten Verbrauchern zu tun.

Gigantische Städte wachsen heran

Deutschlands drittgrößtes Unternehmen nach Daimler und Volkswagen will im Hintergrund die Fäden ziehen dort, wo Vorstandschef Klaus Kleinfeld Megatrends wittert.

Zwei solche grundlegenden Veränderungen betreffen alle Menschen über die nächsten Jahrzehnte hinweg und lassen sich nach Ansicht des Konzerns nicht abwenden: der demographische Wandel (eine rasant wachsende und alternde Weltbevölkerung) sowie die Urbanisierung (ein Wuchern gigantischer Städte, während die Zahl der Menschen auf dem Land sinkt). Bis 2050 wird die Bevölkerungszahl demnach um die Hälfte zulegen. 9,3 Milliarden Menschen werden dann auf der Erde leben. Insbesondere in Asien werden die Städte schon in zehn Jahren größer sein als mancher europäische Staat. Im Großraum Mumbai in Indien etwa soll es 2015 fast 23 Millionen Einwohner geben, in Delhi knapp 21 Millionen - mehr als heute in Schweden oder den Niederlanden.

Die Menschen werden immer länger leben. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich bis 2050 fast vervierfachen. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf. Bis 2020 wird der weltweite Stromverbrauch um 70 Prozent zunehmen, glaubt man bei Siemens.

Diese drastischen Veränderungen erzwingen neue Technologien. Siemens will sie bieten. Die Ressourcen werden knapp, Umweltschutz gewinnt weiter an Bedeutung, der Bedarf an Gesundheitsversorgung steigt, es wird schwieriger, Mobilität sowie Sicherheit in den Riesen-Städten zu gewährleisten. "Wir sind gut positioniert, um Antworten auf diese Herausforderungen zu geben", findet Kleinfeld. Es gehe darum, das Produktangebot auf diese Felder auszurichten. Und dafür will sich der Konzern auf drei Säulen konzentrieren: Energie und Umwelttechnik, Automation und Infrastrukturprojekte sowie Gesundheit. Damit will Siemens doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft.

Zum Beispiel beim Kraftwerksbau. In einer denkmalgeschützten, vom Wetter geschleiften Backsteinhalle in Berlin arbeitet die Siemens-Sparte Power Generation an der Zukunft der Energiegewinnung. Seit über hundert Jahren werden hier Turbinen gebaut, doch kaum je so erfolgreich wie heute. Die Fertigung ist hoch ausgelastet. Derzeit entsteht die größte und stärkste Gasturbine der Welt. Sie soll in Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern Eon im bayerischen Irsching eingesetzt werden.

Groß wie ein Reisebus und um ein Drittel schwerer als das Riesen-Flugzeug A380 soll der Gigant eine Stadt der Größe Hamburgs mit Energie versorgen können. Im Inneren wird bis zu 1500 Grad heiße Luft die Hightech-Schaufelräder antreiben, die wie das Laufrädchen am Fahrraddynamo zur Stromgewinnung beitragen.

Wären nicht ähnliche Hitzeschildkacheln wie an der Space-Shuttle-Raumfähre angebracht, würde der Stahlmantel schmelzen. Das ist an der Oberkante des Machbaren, erklärt ein Mitarbeiter. Doch mit weniger sind die neuen Herausforderungen für die Welt wohl nicht zu meistern.

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