+
Fordert mehr Rückhalt: BER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Foto: Patrick Pleul

Flughafen-Posse geht weiter

Stress um BER: Mehdorn spricht von Inquisition

Berlin - Der Ton zwischen BER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und dem Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft wird zunehmend gereizter.

Mehdorn forderte von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie vom Bund mehr Rückhalt für seine Arbeit. "Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Mehdorn hatte sich zuletzt gegen externe Kontrolleure für den pannengeplagten Hauptstadtflughafen gewehrt.

Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hat Mehdorn in einem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium den Flughafen-Eigentümern vorgeworfen, "in unserem Haus eine Inquisition der Jahre 2013 und 2014 durchzuführen. Das Ganze passt zu der von uns erlebten und beklagten Misstrauenskultur rund um den BER", hieß es unter Berufung auf den Brief vom 5. Dezember. Ein Flughafensprecher wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Mehdorn äußerte Zweifel, dass der Aufsichtsrat nach seiner Sitzung an diesem Freitag (12.12.) einen Eröffnungstermin überhaupt nennen will. "Ich habe die Sorge, dass es Ängstlichkeiten gibt - so nach der Devise: Bloß nicht noch einmal eine Verschiebung", sagte der BER-Chef dem "Tagesspiegel". "Ohne Termin werden wir keine Flughafeneröffnung hinkriegen, denn sonst schaffen wir nicht den Anreiz und klaren Rahmen für Bau, Planung und behördliche Abnahmen." Er wolle mit dem Aufsichtsrat ein "Terminband" diskutieren.

Zuletzt hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als scheidender Aufsichtsratsvorsitzender darüber Zweifel geäußert. Das Gremium werde über die Länge des "Terminbands" sprechen, "wenn es denn überhaupt vorgeschlagen wird", sagte der Noch-Regierungschef.

Der Bundestags-Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, forderte einen "personellen und organisatorischen" Neuanfang am BER. Das Projekt sei "total vermurkst", sagte Hofreiter dem "Spiegel". Kritik am Management übte auch BER-Architekt Meinhard von Gerkan. "Die Entrauchungsanlage funktioniert, der Flughafen funktioniert. Es braucht nur ein Management, das den Bau entschlossen zu Ende führt und die in den Jahren gewachsenen Strukturen verlässt", sagte Gerkan. Dann könne der Flughafen in spätestens zwölf Monaten baulich fertiggestellt und den Behörden zur Genehmigung übergeben werden.

Der Flughafen Berlin Brandenburg ist wegen Bau- und Planungsfehlern drei Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin noch immer nicht in Betrieb. Die Kosten sind explodiert.

Tagesspiegel-Interview

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pauschalreisen-Anzahlung: BGH will Rechtsprechung verbessern
Karlsruhe (dpa) - Der Bundesgerichtshof (BGH) will seine Rechtsprechung zu Anzahlungen für Pauschalreisen nachjustieren.
Pauschalreisen-Anzahlung: BGH will Rechtsprechung verbessern
Ifo-Geschäftsklima erneut mit Rekord
München (dpa) - Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli zum dritten Mal in Folge auf einen neuen Rekordwert gestiegen. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen ist …
Ifo-Geschäftsklima erneut mit Rekord
Nur tatsächlich eingesetzte SMS-TAN dürfen extra kosten
Karlsruhe (dpa) - Banken und Sparkassen dürfen ihren Kunden den Versand einer Transaktionsnummer (TAN) per SMS nur dann extra berechnen, wenn diese Nummer beim …
Nur tatsächlich eingesetzte SMS-TAN dürfen extra kosten
Google verdaut EU-Rekordstrafe in einem Quartal
Der US-Internetriese Alphabet wächst dank des florierenden Werbegeschäfts seiner Tochter Google weiter stark. Auch eine EU-Rekordstrafe hinterlässt zwar Spuren in der …
Google verdaut EU-Rekordstrafe in einem Quartal

Kommentare