Mehdorn will Bahn zusammen mit Schienennetz an die Börse bringen

- Bahnchef Hartmut Mehdorn hat eine anhaltende Gewinnsteigerung seines Unternehmens in Aussicht gestellt. 2005 habe die Bahn "deutlich über 400 Millionen" Gewinn erreicht, sagte Mehdorn. Für 2006 stellte er weiter steigende Gewinne in Aussicht. Von dem neuen Gutachten zum Börsengang erwarte er die Bestätigung des Ziels, die Bahn ohne Trennung von Netz und Betrieb auf den Kapitalmarkt zu bringen. Auch Transnet-Vorsitzender Norbert Hansen forderte Unterstützung dieses Kurses. Sein Verhältnis zur neuen Bundesregierung beschrieb Mehdorn mit den Worten: "Meine Antrittsgespräche waren samt und sonders konstruktiv." Er fühle sich "nicht eingeschränkt". Die nötigen Vorarbeiten für einen Börsengang als integriertes Unternehmen seien geleistet.

Mehdorn erklärte, er habe Kanzlerin Angela Merkel "gesagt, wir werden deutlich über die geplanten 400 Millionen Euro kommen". Man könne "gut von einer Verdopplung unseres Gewinns sprechen". 2003 waren es 230 Millionen. Der Umsatz erreiche fast 25 Milliarden Euro. Bis Oktober verzeichne die Bahn 4,7 Prozent Wachstum. Rund 50 Millionen Menschen mehr seien befördert worden. Für 2006 wollte er keine Zahl nennen, sagte jedoch: "Wir werden uns weiter gut steigern." Der Schienengüterverkehr sei "zwar noch defizitär, aber sehr viel weniger defizitär, als wir ursprünglich dachten", sagte Mehdorn und hob die positive Entwicklung im Logistikbereich hervor: "Schenker läuft hervorragend."

Zu Verhandlungen über weitere Beteiligungen machte er keine konkreten Angaben. Der Güterzugverkehr in die Türkei und nach Russland soll ausgebaut werden. Zu Beteiligungen an chinesischen Unternehmen sagte er: "Wenn sich da Möglichkeiten ergeben, dann passen wir auf und werden diese Möglichkeiten wahrnehmen." Hansen sagte zur Diskussion über die Trennung von Netz und Betrieb, als reines Carrier-Unternehmen habe die Bahn keine Perspektive. Es gehe für die Bundesregierung in der nächsten Zeit um industriepolitische Weichenstellungen. Am Ende werde klar sein, dass das Unternehmen "auf jeden Fall auf dem eingeschlagenen Weg unterstützt werden muss". In der Diskussion über den Umzug nach der möglichen Beteiligung am Hamburger Hafenbetreiber HHLA und der Hochbahn hielt Hansen einen Kompromiss für möglich.

Die Bahn als "Schienenunternehmen" könne weiter in Berlin residieren. Es dürfe aber "überhaupt nicht sein", dass Standortfragen höher bewertet würden als betriebswirtschaftliche Effekte. Mehdorn sagte dazu nichts. Eine Entscheidung wird Ende Februar erwartet. Der Gewerkschafter, der stellvertretender Aufsichtsratschef der Bahn AG ist, rechtfertigte die Zukäufe im Logistiksektor. Keine privatisierte Bahn könne als reiner Carrier eigenwirtschaftlich arbeiten. Das Unternehmen schaffe ein integriertes Verkehrsangebot, wie es die Politik immer gefordert habe.

Vorsichtig kritisierte Mehdorn Bundespläne, die Regionalisierungsmittel an die Länder zu kürzen. "Wenn man jetzt diese attraktiven Angebote einschränkt, wäre das kein gutes Signal." Aber es dürfe auch "keiner im Land rumlaufen, der meint, alle müssen sparen, nur wir nicht". Hansen erneuerte seinen Widerstand gegen Kürzungen. Ein Kompromiss könnte aber sein, dass die Mittel 2006 und 2007 nicht der Preisentwicklung angepasst würden, "wenn damit ab 2006 die Berichtspflicht verbunden ist". 2008 müsste auch die Zweckbindung verankert sein. Nach seiner Einschätzung kämen 2,5 Milliarden Euro jährlich nicht im Schienennahverkehr an. Weihnachtszeit, Reisezeit - um die Feiertage sind die Züge der Bahn proppenvoll.

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