Für Mehdorn wird es nach dem Aus für raschen Börsengang eng

- Berlin - Als die Bombe platzte, saß Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem Saal der Berliner IG Metall und sprach mit Betriebsräten. Das Thema: Der Börsengang. Seine Botschaft: Wir kämpfen. Das Tempo: Weiter hoch. Doch zeitgleich erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Frenzel den schnellen Kurs für gestoppt. Vor Sommer 2006 wird die Bahn nicht privatisiert, lautet die Botschaft in Rückkopplung mit dem Bund als Eigentümer. Für Kämpfernatur Mehdorn ein Schlag ins Kontor. Über den Kurs des Konzerns ist neuer Streit entbrannt. In der Politik braut sich Ärger zusammen.

<P>Das Aus für seinen ehrgeizigen und heftig umstrittenen Börsenfahrplan ist für Mehdorn eine zweite schwere Schlappe. Bereits im vergangenen Jahr musste die Bahn ein neues Preissystem nach einem verheerenden Hick-Hack wieder korrigieren. <BR><BR>Kanzler stärkt Bahnchef den Rücken<BR><BR>Ob und wann die Bahn an die Börse rollen wird, ist nun völlig offen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem Zeitkorridor zwischen 2006 und 2008. Für Mehdorn, der mit Haut und Haaren für sein Ziel kämpft, wird es eng - mehrere Verkehrspolitiker und die Lokführergewerkschaft forderten seinen Rücktritt. Der Kanzler stärkte Mehdorn indes den Rücken. Die Bahn sei mit ihm "auf einem wirklich guten Gleis."<BR><BR>Seit Monaten ringt der 62-Jährige um die "schwarze Null" in der Bilanz 2004, die erste Voraussetzung für einen Börsengang ist. Doch sein Kurs geriet immer stärker unter Beschuss. Mit Verkehrspolitikern und Verbänden kocht ein Dauerstreit um eine Heraustrennung des Gleisnetzes aus dem Konzern, was Mehdorn strikt ablehnt.<BR><BR>Für neuen Ärger sorgte ein Brief Mehdorns an den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski. Darin beklagte sich Mehdorn in regelrechtem Jammerton beim "lieben Michael" über die verkehrspolitischen Sprecher von Union, FDP und Grünen, die "als sog. Verkehrsexperten polemisch gegen mich und die Bahn" zu Felde zögen. Das wirkt nicht unbedingt wie vertrauensvolles Miteinander.<BR><BR>Vor allem mit den wirtschaftlichen Ergebnissen konnte der Konzern bisher wenig Überzeugungsarbeit bei Bundestag und Bundesrat leisten. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Verlust langsamer als geplant auf 62 Millionen Euro. Dann beschlossen sie zum zweiten Mal in diesen Jahr höhere Preise wegen gestiegener Energiekosten - und ernteten eine neue Welle der Empörung.<BR><BR>Unter den Beschäftigten, die den Sanierungsdruck seit Jahren spüren, keimen ebenfalls Sorgen. "Wer einen Ausgabenstopp verhängt, Preise erhöht und Züge streicht, der muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Mitarbeiter einen Tiefpunkt erreicht", wetterte Norbert Hansen, Chef der größten Gewerkschaft Transnet und Vize-Chef des Aufsichtsrats.<BR><BR>Mehdorn selbst gibt sich vorerst entschlossen, seinen Kurs in die Profitabilität auch ohne neuen Börsentermin zu halten. "Normalerweise lobt man jemanden, der engagierte Ziele hat und sich nicht ein weiches Bett baut." Das Ziel der Kapitalmarktfähigkeit bleibe, die Preiserhöhungen würden nicht zurückgenommen - auch wenn Politiker und Fahrgastvertreter sich dafür bereits zu Wort meldeten.<BR><BR></P><P><BR> </P>

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