Mehdorns Fahrplan: Im Oktober an die Börse

Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn drängt auf einen Börsengang noch in diesem Jahr. Er braucht die Milliarden und möchte durch Termindruck Alternativ-Modelle zur Privatisierung ausbremsen.

Der Bahnchef will einen Teil des Konzerns diesen Oktober an die Börse bringen. Einen entsprechenden Plan hätten Mehdorn und Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack dem Aufsichtsrats-Präsidium vorgelegt, schreibt die "Financial Times Deutschland". "Die beiden machen Druck auf die Entscheidungsträger", hieß es aus dem Kontrollgremium. Ein Konzernsprecher bestätigte, dass es ein Treffen Mehdorns mit dem Aufsichtsrat gegeben habe. Zu inhaltlichen Fragen wollte er aber keinen Kommentar geben.

Dagegen teilte die Gewerkschaft Transnet mit, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn Mitte März über den Termin des angestrebten Börsengangs beraten wird. Transnet-Chef Norbert Hansen ist stellvertretender Aufsichtsratschef der Bahn. Er war Teilnehmer der Sitzung. Mehdorn dringt laut FTD aus zwei Gründen auf einen Börsengang spätestens in diesem Herbst.

Zum einen benötige der mit rund 19 Milliarden Euro verschuldete Konzern dringend frisches Kapital, um etwa eine weitere Auslandsexpansion zu finanzieren. Andererseits gilt die Privatisierung des bundeseigenen Unternehmens weiterhin als Politikum. Einen Teilverkauf in zeitlicher Nähe zur nächsten Bundestagswahl im Herbst 2009 schließen daher sowohl die Bundesregierung als auch die Bahn-Spitze und der Aufsichtsrat aus.

Vorstand und Aufsichtsrat seien sich einig, Bahnanteile nach dem Holding-Modell zu verkaufen. Die Personenverkehrs- und die Logistiksparte sollten gebündelt als Transportkonzern an die Börse gebracht werden ­ und zwar bis zu 49 Prozent der Unternehmensanteile. Die Mutterholding, die Infrastruktur, das Schienennetz und die Bahnhöfe sollten dagegen in Bundesbesitz verbleiben.

Doch es gibt auch andere Modelle: Zum Beispiel das Drei-Säulen-Modell des SPD-Linken Hermann Scheer. Dieser will die Deutsche Bahn AG in drei Bereiche unterteilen: Die Sparten Infrastruktur und Personenverkehr sollen demnach zu 100 Prozent im Besitz der Konzern-Holding und damit im alleinigen Eigentum des Bundes bleiben. Nur eine dritte Säule, in der die Bahn-Töchter Railion (Güterverkehr) und Schenker (Logistik) vereint würden, soll zu maximal 49 Prozent verkauft werden. Steinbrücks Vorschlag dagegen sieht vor, auch den Personenverkehr mit an die Börse zu bringen. Das Parlament könnte aber anders entscheiden.

Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen favorisiert eine Mehrheit der SPD-Fraktion im Bundestag die Vorschläge Scheers ­ und wendet sich damit gegen die Pläne von Bahnchef Mehdorn.

Der Mehdorn-Vorstoß nährt die Befürchtung der Grünen, das neue Subholding-Modell zur Bahnprivatisierung werde ohne Befassung des Parlaments durchgepeitscht. Deren Verkehrsexperte, Winfried Hermann, kündigte einen Antrag seiner Fraktion an, nachdem sich der Bundestag mit den Privatisierungsplänen befassen muss. Einen Börsengang der Deutschen Bahn "ohne Einbeziehung des Parlaments und ohne Gesetzgebungsverfahren darf es nicht geben", kritisierte Hermann.

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