Mehdorns Freitag der 13.

- Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte schon auf dem Rückflug von London nach Berlin ein mulmiges Gefühl. Seine Aussagen zu einem möglichen massiven Stellenabbau könnten wohl verkürzt wiedergegeben werden und in der Heimat für einigen Wirbel sorgen. Genauso kam es auch, und das ausgerechnet an einem Freitag dem 13.

<P>Europas größter Verkehrskonzern bemühte sich, die "Horrormeldung" möglichst schnell aus der Welt zu schaffen und erklärte, es gebe keine konkreten Pläne für mehr als 40 000 Stellenstreichungen. Die alarmierte Bahn-Gewerkschaft Transnet merkte verärgert an: "Die Bahn tut offenbar alles, um nicht aus den Negativschlagzeilen zu kommen." Seit einigen Tagen ist es in Fragen der Unternehmensstrategie des Staatskonzerns geradezu verdächtig ruhig geworden. Die Bombenfunde auf Bahnhöfen und das schwere Zugunglück hatten das Unternehmen zwar schwer getroffen. </P><P>Sie haben aber keine neue Strategie-Debatte entfacht. Seit der Entlassung von Top-Managern und der Ankündigung, das Preissystem zu verändern, hatte sich die Bahn fast einen Monat - und damit für ihre Verhältnisse ungewöhnlich lange - auf ihr eigentliches Geschäft konzentriert und damit weiter Kurs auf den für 2005 angestrebten Börsengang nehmen können.<BR>Nun überraschte der um direkte Worte nie verlegene Bahnchef mit der Aussage, dass die Beschäftigtenzahl um mehr als 40 000 reduziert werden könnte. Nach dem massiven Abbau in den vergangenen Jahren sei man noch nicht am Ende. "Wir glauben, dass wir noch einmal 20 Prozent weniger Mitarbeiter haben können", zitierte das "Handelsblatt" Mehdorn.</P><P>Die Bahn stellte klar, dass es "keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau in dieser Größenordnung" gebe. Mehdorn habe lediglich erklärt, er könne sich vorstellen, das Geschäft in einigen Jahren auch mit 10 bis 20 Prozent weniger Personal zu bewältigen. Es gebe auch andere Möglichkeiten, Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Personalabbau sei kein Unternehmensziel, teilte der Konzern mit - Rückzug auf die bisherige Sprachregelung.</P><P>Der Stellenabbau sorgt seit jeher für Diskussionen. Als West-Bundesbahn und Ost-Reichsbahn fusionierten, beschäftigte das einstige Behördenunternehmen fast ein halbe Million Menschen. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden 170 000 Jobs weitgehend geräuschlos und ohne betriebsbedingte Kündigungen gestrichen. Bei den zuletzt 210 000 Beschäftigten - einschließlich des übernommenen Stinnes-Konzerns sind es rund 250 000 - wird es aber kaum bleiben. Schließlich will der Vorstand, der das ehrgeizige Ziel der Kapitalmarktfähigkeit ab 2005 immer wieder bekräftigt, bis zum Jahr 2007 die Personalkosten um rund drei Milliarden Euro kürzen.<BR><BR></P>

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