Mehr Arbeit, weniger Lohn

- München/Berlin - Arbeitgeber und Gewerkschaften bereiten sich im Kampf um längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne auf harte Auseinandersetzungen im neuen Jahr vor. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer kritisierte, die Arbeitgeber riskierten mit ihren immer lauteren Forderungen nach niedrigeren Lohnkosten den sozialen Frieden.

<P>"Wenn das so weitergeht, werden wir eine Radikalisierung der Menschen erleben." Dagegen betonten die Metall-Arbeitgeber, der Druck zu einer Senkung der Lohnkosten werde auch 2005 anhalten. Falls die Arbeitnehmerseite nicht zu Eingeständnissen bereit sei, werde die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland weitergehen.<BR><BR>2004 seien 7000 Stellen in der Branche abgebaut worden, sagte der neue Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, in München. Angesichts der Konkurrenz aus dem Ausland, des Euro-Höhenflugs und der hohen Rohstoffpreise stünden die Unternehmen auch im neuen Jahr enorm unter Druck. Daher sei auf der Lohnseite eine weitere Flexibilisierung notwendig. Derzeit stünden fast 300 Betriebe der Branche in Verhandlungen für betriebliche Sonderlösungen zur Senkung der Lohnkosten. Häufig beklagten Betriebe aber Verzögerungstaktiken der IG Metall. Brossardt will bei solchen Fragen darauf hinwirken, den gewerkschaftlichen Einfluss einzudämmen. "Die Frage ist, ob es immer eine Zustimmungspflicht der Gewerkschaft geben muss."<BR><BR>Neugebauer entgegnete, gerade viele große Konzerne machten in diesem Jahr so viel Gewinn wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch werde der Standort schlecht geredet. In echten Krisenfällen seien die Gewerkschaften immer zu flexiblen Lösungen bereit, sagte Neugebauer. "In Bayern gibt es 35 Fälle, in denen wir uns auf eine Abweichung vom Flächentarif geeinigt haben." <BR><BR>Die derzeitige Diskussion sei aber politisch motiviert. "Da geht es um Macht." Die IG Metall habe aber viele Angriffe auf den Flächentarif abgewehrt.<BR>Angesichts der weit auseinander liegenden Positionen wollen sich die Tarifparteien im neuen Jahr schon einmal intensiv auf die Tarifrunde 2006 vorbereiten. Nach Einschätzung Neugebauers ist die wirtschaftliche Lage in vielen Branchen derzeit besser, als sie wahrgenommen wird. "Wir sind dabei, uns schlechter zu reden, als wir sind." Dem Maschinenbau und den Autoherstellern im Freistaat gehe es zum Beispiel hervorragend. Daher seien jetzt auch wieder höhere Lohnabschlüsse möglich. "Eines unserer Hauptprobleme ist doch die fehlende Kaufkraft."<BR><BR>Die Arbeitgeber sehen dagegen kaum Spielraum. "Es ist nichts da, was zu verteilen ist", sagte Brossardt. Zwar gebe es gewisse Erholungstendenzen, doch würden diese durch eine weiterhin äußerst verhaltene Inlandsnachfrage, fehlenden Investitionsschwung, hohe Rohstoffpreise und den Euro-Höhenflug zunichte gemacht. "Von der Inlandsfrage her wird das Ganze nicht laufen, und wenn sich der Export abschwächt, wird das nächste Jahr sehr hart." Die Arbeitgeber wollen vor diesem Hintergrund flexiblere Arbeitszeiten und erfolgsabhängige Einkommenskomponenten durchsetzen. <BR><BR>Unterdessen hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten an Unternehmensgewinnen gefordert. Die Amerikanisierung der deutschen Unternehmenskultur müsse unbedingt gestoppt werde, sagte Thierse der "Neue Osnabrücker Zeitung". Dies sei auch eine Frage des sozialen Friedens in Deutschland.<BR></P><P> </P>

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