Nie mehr fünf Millionen ohne Job? Frühling belebt den Arbeitsmarkt

- München - Nie mehr fünf Millionen Arbeitslose, versprach Wolfgang Clement gestern. Kurz zuvor hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitgeteilt, dass das Frühlingswetter die Zahl der in Deutschland registrierten Arbeitslosen im April wieder unter diese psychologisch wichtige Marke gedrückt hat. Der Wirtschaftsminister folgerte: "Der Arbeitsmarkt ist auf dem Weg der Besserung." BA-Chef Frank Jürgen-Weise hingegen sieht noch keine Trendwende.

"Dies ist noch kein erkennbarer Aufschwung", kommentierte er die vorgelegte Statistik. Demnach meldeten sich diesen Monat rund 12 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung bei den örtlichen Arbeitsagenturen arbeitslos. Das sind 4,968 Millionen Menschen und damit um 208 000 weniger als im März. In Bayern verringerte sich die Zahl der Joblosen um 55 600 auf 523 700, was einer Quote von 8,1 Prozent entspricht. <BR><BR>Die Bundesagentur räumte jedoch ein, dass ihr Zahlenwerk nicht komplett ist: 21 Kommunen, die im Zuge der Hartz-IV-Reform seit Januar die Arbeitslosen in Eigenregie betreuen, hätten nach wie vor keine "plausiblen" Daten gemeldet. In der Nürnberger Behörde wird deswegen geschätzt, dass 90 000 Arbeitslose nicht erfasst werden. Würden sie berücksichtigt, wäre die Fünf-Millionen-Grenze wohl auch im April überschritten worden.<BR><BR>Den nun festgestellten Rückgang führt Frank-Jürgen Weise auf Sondereffekte zurück. Zum einen habe sich der Frühjahrsaufschwung im März wegen des Winterwetters auf den April verschoben. Zum anderen seien rund 20 000 frühere Arbeitslosenhilfe-Empfänger aus der Statistik gefallen, die keinen Anspruch auf das mit Hartz IV eingeführte Arbeitslosengeld II haben. Auch die verstärkte Förderung von Ich-AGs, Mini-Jobs und Ein-Euro-Jobs wirkte sich positiv aus.<BR><BR>Unterm Strich schrumpft die Zahl der regulär Beschäftigten in Deutschland aber noch immer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden gingen seit Februar 2004 über 150 000 Jobs verloren. Derzeit sind noch 26,18 Millionen Menschen in sozialversicherungspflichtigen Verhältnissen angestellt, die also in die Arbeitslosen- oder Rentenversicherung einzahlen.<BR><BR>In Bayern gab es hierbei jedoch einen Lichtblick. Anders als der Bundes-Trend stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von Januar auf Februar 2005 - aktuellere Daten sind nicht verfügbar - um 19 000 an. Während im verarbeitenden Gewerbe weitere Stellen verschwanden, entstanden bei Dienstleistungs-Unternehmen neue Arbeitsplätze. Diese Entwicklung stimme ihn hoffnungsvoll, sagte Franz Prast von der Regionaldirektion Bayern.<BR><BR>Wenig hoffnungsvoll hingegen scheint die Lage auf dem Lehrstellenmarkt. Sie sei angespannt wie vor einem Jahr, heißt es bei der Bundesagentur. So meldeten die Unternehmen von Oktober bis April 352 000 Ausbildungsplätze und damit 30 000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Bewerber liegt mit derzeit 571 200 weit darüber.

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