"Mehr Rendite ohne Einfluss der Politik"

- Bestechung, Tarnfirmen, Lustreisen - erschreckende Schlagworte der Volkswagen-Affäre. Trotzdem ist die VW-Aktie seit Bekanntwerden des Skandals gestiegen. Worauf die Anleger hoffen, erklärt Albrecht Denninghoff, Analyst der HypoVereinsbank.

Trotz Negativ-Meldungen steigt der VW-Kurs. Spekulieren Investoren auf einen Fall des VW-Gesetzes, das bislang die Macht des Landes Niedersachsen im Konzern sichert?Albrecht Denninghoff: Das wäre schon sehr weit gedacht. Es wird derzeit wohl positiv aufgenommen, dass sich das Unternehmen veränderungsbereit zeigt. 2004 hatte VW nur 1 % auf das eingesetzte Kapital verdient, die Marke VW hatte sogar einen Verlust erzielt. Neben dem zuletzt wieder günstigeren Wechselkurs dürften die von Christian Wulff (CDU-Ministerpräsident von Niedersachen und Aufsichtsratsmitglied bei VW) angekündigten Konsequenzen die Chancen auf eine Verbesserung der Kapitalrendite in Richtung der Zielmarke von 9 % erhöhen.Was würde eine Abschaffung des VW-Gesetzes für die Aktionäre bedeuten?Denninghoff: Einige Standortentscheidungen wie die gläserne Manufaktur in Dresden oder die Autostadt in Wolfsburg werden nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen getroffen, sondern durch den mächtigen Aktionär Niedersachsen auch aus politischen. Wenn politische Motive bei solchen Entscheidungen eine geringere Rolle spielen und etwa Unternehmensteile nach Osteuropa verlagert würden, wäre das für VW eine Chance, eine bessere Rendite zu erwirtschaften.Der VW-Händlerverband beklagt einen Imageschaden. Wie stark belastet der das Unternehmen?Denninghoff: Das spielt in der Öffentlichkeit eine Rolle und es könnte theoretisch zu Absatzrückgängen führen. Aber der Kapitalmarkt erachtet dies als weniger relevant. Würden Sie keinen Golf mehr kaufen, weil ein VW-Manager vielleicht korrupt war?In der Vertriebsorganisation von Mercedes wird gegen 17 Manager ermittelt. Nun die Volkswagen-Affäre. Ist die Automobil-Branche besonders korruptionsanfällig?Denninghoff: Das glaube ich nicht. Die Automobilbranche ist ein sehr bedeutender Industriezweig mit über 700 000 Beschäftigten in Deutschland. In einem solchen Umfeld wird es immer wieder Einzelne geben, die versuchen, eigene Vorteile zu erlangen.Das Gespräch führte Dominik Müller.

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