Hilfe bei versteckten Kostenfallen

So schützen Sie sich vor Online-Abzocke

Im Internet wird getarnt, getrickst und getäuscht. Kosten verbergen sich oft im Kleingedruckten. Ein Klick und schon ist man in die Abofalle getappt. Das soll sich künftig ändern. Ab heute gilt ein Gesetz, das Verbraucher vor Online-Abzocke besser schützen soll – die sogenannte Button-Lösung.

Mal sind es Kochrezepte, Hausaufgabenhilfe oder kostenloser SMS-Versand, mal Gratis-Downloads oder Tests. Immer wieder gelangen Verbraucher im Internet auf Seiten, auf denen ihnen – angeblich gratis – einiges versprochen wird. Die Kosten sind gut versteckt im Kleingedruckten, zum Beispiel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, die kaum einer liest. Laut einer Untersuchung des Sozialforschungsinstituts Infas sind bisher 5,4 Millionen Deutsche in eine Abo-Falle getappt – jeder zehnte Internetnutzer. Pro Monat gehen bei den Verbraucherzentralen in Deutschland rund 22 000 Beschwerden ein.

Hat man auf ein vermeintliches Gratis-Angebot geklickt, folgen oft Rechnung, Mahnung oder sogar die Drohung mit einer Anzeige. So mancher Verbraucher bekommt es mit der Angst und bezahlt. Eine Geschäftemacherei, an der die Hintermänner mit wenig Aufwand gut verdienen. Ein neue gesetzliche Regelung soll Verbraucher künftig vor der Abzocke schützen. Ab heute gilt die sogenannte Button-Lösung. Mit der Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches hat der Bundestag eine EU-Verbraucherschutzrichtlinie umgesetzt.

Was sich bei Online-Geschäften ändert

Nach dem neuen Gesetz kann ein Vertrag im Internet nur dann zustande kommen, wenn Verbraucher sich ausdrücklich und aktiv zu einer Zahlung verpflichtet haben. Beim Bestellen ist eine Schaltfläche (Button) Pflicht, auf die der Kunde klicken muss. Erst dann wird die Bestellung abgeschickt. Auf dem Button muss in gut leserlicher Schrift „zahlungspflichtig bestellen“ oder eine ähnliche Formulierung stehen. Möglich wäre auch schlicht „kaufen“ oder „zahlungspflichtigen Vertrag schließen“. „Bestellen“, „Bestellung abschicken“ oder nur „weiter“ reicht künftig nicht mehr aus. „So sollen die Unsicherheiten beim Kunden beseitigt werden“, erklärt Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Außerdem gilt ab sofort eine neue Informationspflicht. Händler müssen unmittelbar vor dem Ende des Bestellvorgangs die wesentlichen Merkmale der Ware oder Dienstleistung angeben: den Gesamtpreis – einschließlich aller Preisbestandteile wie Liefer- und Versandkosten. Handelt es sich um einen Vertrag oder ein Abo muss außerdem die Mindestlaufzeit aufgeführt werden. Informiert der Händler nicht ausreichend, tritt kein Vertrag in Kraft.

Die überwiegende Zahl der seriösen Online-Shops tut dies bereits in Form einer Übersicht am Ende des Bestellvorgangs. Anbieter, die später Verbrauchern Kosten für einen angeblich im Internet abgeschlossenen Vertrag in Rechnung stellen, müssen künftig beweisen, dass der Kunde ausdrücklich in die Zahlungsbereitschaft eingewilligt hat. „So soll unseriösen Anbietern das Leben schwer gemacht werden“, sagt Rehberg.

Auch ausländische Händler betroffen

Das neue Gesetz gilt in der Regel nicht nur für deutsche, sondern auch für ausländische Onlineshops. „Wer Waren in Deutschland übers Internet anbietet, muss sich daran halten“, sagt Rehberg. Das heißt: Für ausländische Händler, die auf ihrer Internetseite zum Beispiel in deutscher Sprache werben, gelten die deutschen Verbraucherschutzvorschriften. Anders sieht es aus, wenn man auf ausländischen Internetseiten einkauft, die nicht auf deutsche Kunden ausgerichtet sind. Hier ist Vorsicht geboten. „Allerdings ist es fraglich, ob unseriöse Anbieter, die im Ausland sitzen, Zahlungsforderungen in Deutschland verfolgen“, gibt Rehberg zu Bedenken.

Wie man Abofallen im Internet erkennt

Kostenfallen verbergen sich meist hinter vermeintlichen Gratis-Angeboten. „Sobald man die eigene Adresse oder persönliche Daten eingeben soll, sollte man stutzig werden“, warnt Rehberg. Ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. „Man sollte sich immer fragen: Wofür brauchen die meine Daten?“

Widerruf per Post einlegen

Ein Händler muss nach einem Vertragsabschluss an den Kunden eine Widerrufsbelehrung schicken. Bei Online-Geschäften passiert das meist per E-Mail. Der Kunde hat dann 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen. Die Frist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem die Widerrufsbelehrung beim Kunden angekommen ist. „Keine Widerrufsbelehrung, keine Frist“, sagt Rehberg. Im Normalfall ist in der Widerrufsbelehrung die Adresse des Verkäufers angegeben. „Den Widerruf sollte man zur Sicherheit per Post als Einwurf-Einschreiben schicken – nicht per E-Mail“, rät Rehberg.

Nicht unter Druck setzen lassen

Wer in eine Abofalle getappt ist, bemerkt das oft erst, wenn die erste Rechnung ins Haus flattert. Wer sich keiner Schuld bewusst ist, sollte schriftlich erklären, dass kein Vertrag zustande gekommen ist, rät Rehberg. Erneut gilt: per Post als Einwurf-Einschreiben. „Außerdem sollte man vorsorglich den Vertrag widerrufen, auch wenn keiner zustande gekommen ist“, erläutert Rehberg. Musterbriefe, die alle wichtigen Angaben enthalten, finden Betroffene auf der Homepage der Verbraucherzentrale Hamburg (www.vzhh.de). Bei einem Schreiben sollte es allerdings bleiben. Kommen weitere Rechnungen, Mahnungen, Anwaltsschreiben oder Inkassobriefe, rät Rehberg das ganze auszusitzen.

Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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