Mehr als ein Stück Papier: Arbeitszeugnis sollte positiv sein

- Es ist scheinbar nur ein Stück Papier. Aber es kann entscheidend dafür sein, ob eine Karriere erst beginnt oder vorschnell zu Ende geht. Arbeitszeugnisse erfordern deshalb Sorgfalt - und Arbeitnehmer sollten lieber zweimal hingucken, ob es vollständig und ohne Fallstricke ist.

"Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis", sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin. Bei einer längeren Beschäftigung kann ein Mitarbeiter auf einem qualifizierten Arbeitszeugnis bestehen, das auch Angaben zu seinen Kenntnissen und Fähigkeiten, eine Bewertung seiner Kompetenz insgesamt und zu seinem Verhältnis zu den Kollegen enthält. "Das gilt aber nicht für jemanden, der nur eine Woche als Aushilfe gearbeitet hat", sagt Perreng. Auch für befristete Stellen von drei Monaten dürfte das nicht der Regelfall sein.

Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf ein Zeugnis immer, wenn ein Arbeitsverhältnis endet, erläutert Klaus Derksen von der Personalvermittlung Der Jobladen in Karlsruhe. Das gilt unabhängig davon, wer gekündigt hat. Der Anspruch auf das Zeugnis besteht bis zu drei Jahre nach der Kündigung. Derksen rät, es möglichst "zeitnah" ausstellen zu lassen.

Wichtig ist, dass ein qualifiziertes Zeugnis vollständig ist und genau beschreibt, welcher Tätigkeit der Mitarbeiter nachgegangen ist. "Es muss darstellen, was der Mitarbeiter wirklich gemacht und wovon er Ahnung hat - und das wahrheitsgemäß", sagt Paul-Werner Beckmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Herford. Ist das Zeugnis lückenhaft, sollte der Arbeitnehmer auf eine neue vollständige Version bestehen, rät er.

Der Anspruch auf wahrheitsgemäße Darstellung kollidiert manchmal mit dem auf ein wohlwollendes Zeugnis. "Der Arbeitgeber darf grundsätzlich kein Zeugnis ausstellen, das dem Arbeitnehmer seine weitere Karriere erschwert oder ihn gar bei möglichen neuen Arbeitgebern anschwärzt", sagt Beckmann.

Das führt nach Einschätzung von Experten dazu, dass Zeugnisse verschlüsselte Botschaften enthalten können (siehe Kasten). Das heißt, scheinbar wohlwollend gemeinte Formulierungen vermitteln tatsächlich Warnungen an künftige Arbeitgeber - nach dem Motto "Er bemühte sich stets, den Anforderungen gerecht zu werden" - schaffte es aber nie. Welchen Stellenwert solche "Geheimbotschaften" haben, ist allerdings umstritten.

Etabliert hat sich dagegen, dass bestimmte Formulierungen gewissermaßen Noten entsprechen: ",Er erledigte seine Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit’, ist wie eine Eins", sagt Beckmann. Fehlt das "stets", ist die Note schon schlechter. Einig sind sich die Experten auch, dass ein Arbeitszeugnis nicht einfach nur mit der Unterschrift enden sollte. Dabei spielt schon die eine wichtige Rolle: Arbeitnehmer sollten darauf achten, dass ein ranghoher Mitarbeiter unterschreibt, rät Klaus Derksen. Eine Unterschrift des Geschäftsführers oder Prokuristen werte das Zeugnis auf und sei ein Zeichen für Wertschätzung. Darauf gibt es aber keinen Anspruch.

Üblich ist eine "Schlussformel", in der dem Arbeitnehmer beispielsweise alles Gute für die weitere Karriere gewünscht und Bedauern darüber ausgedrückt wird, dass er nicht mehr in dem Betrieb arbeiten wird. "Fehlt das, ist das schlecht", sagt Martina Perreng. "Die Schlussformulierung darf man nicht unterschätzen", sagt auch Fachanwalt Beckmann. "Darauf gibt es keinen Rechtsanspruch."

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