Mehr PS, weniger Sprit: Der Öko-BMW

- München - "Wir werden unseren Slogan ,Freude am Fahren nicht durch ,Freude am Sparen auswechseln", sagte BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal. Dennoch deutet sich bei dem Autohersteller ein Wandel hin zu sparsamen Modellen an. "Die Automobilindustrie steht vor einer grundlegenden Trendwende", prognostizierte Konzernchef Norbert Reithofer.

So stand im Zentrum der Bilanzpressekonferenz des Münchner Autokonzerns eine Zahl: 140. Vom Mini bis zum 5er, werden bis Ende 2007 von jeder PKW-Baureihe des Konzerns Fahrzeuge angeboten, die weniger als 140 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstoßen. Das ist bemerkenswert, weil BMW auf Fahrspaß nicht verzichten will und die entsprechenden Modelle sogar mehr Leistung an die Räder bringen als ihre durstigeren Vorgänger.

Zum Beispiel der neue 118d: Obwohl die Leistung des Selbstzünders von 122 auf 143 PS steigt, sinkt der Verbrauch von 5,6 auf 4,7 Liter/100 km und der CO2-Wert von 150 auf 129. Auch ein Dreier dürfte beim Verbrauch unter fünf Liter bleiben. Der sparsamste 5er dagegen dürfte ziemlich knapp an die 140 Gramm hinkommen, was einem Verbrauch von 5,3 Liter Diesel entspricht. Sogar einen Benziner mit 140 Gramm CO2-Ausstoß hat BMW im Programm. Der 118i schluckt nun statt 7,8 nur noch 5,9 Liter, obwohl seine Leistung von 130 auf 143 PS stieg.

Das sparsamste Fahrzeug im Konzern allerdings gelang nur mit französischer Entwicklungshilfe. Der Motor des Mini-Cooper D, der im April auf den Markt kommen soll, begnügt sich mit 4,4 Litern Sprit und 118 Gramm CO2-Ausstoß, und er wurde in Zusammenarbeit mit dem Peugeot-Citroën-Konzern entwickelt. Auch er weist gegenüber dem bisherigen Diesel-Mini eine Leistungssteigerung von 88 auf 110 PS auf. Auch hier ist der alte, schwächere Motor weniger umweltfreundlich (Verbrauch: 4,8 l, CO2: 128g).

Ein bisschen Glück hatte BMW auch, dass die neuen Motoren gerade zum Höhepunkt der Klimadebatte marktreif waren. Denn ihre Entwicklung dauerte fünf Jahre. "Wir haben 2001, 2002 angefangen", sagt Reithofer, der darauf verweist, dass bereits von 1990 bis 2005 der Flottenverbrauch um 30 Prozent gesenkt wurde.

Weniger konkret bleibt ein anderes BMW-Umweltprojekt: Der Wasserstoffantrieb. Zwar werden in Kleinserie 100 Stück gebaut. Doch das Thema sei Zukunftsmusik. Erst in zwei Dekaden sei mit einer nennenswerten Anzahl von Fahrzeugen zu rechnen.

Skeptisch bleibt BMW auch beim Thema Hybrid-Antrieb (den der Konzern zusammen mit Daimler-Chrysler entwickelt). Dieser sei "eine interessante Möglichkeit", sagt Reithofer. Doch können Dieselfahrzeuge von BMW es beim Verbrauch und CO2-Emissionen mit einem vergleichbaren Hybridfahrzeug aufnehmen. Dagegen setzt Reithofer auf Bremsenergie-Rückgewinnung, Leichtbau und die Auto-Start-Stopp-Funktion. Diese Dinge würden in der gesamten Flotte eingeführt.

Wenig konkret blieb der BMW-Vorstand bei den Zielen fürs laufende Jahr. Zwar sollen Absatz, Umsatz und das operative Ergebnis steigen. Doch weil ein Sondereffekt, der das operative Ergebnis über vier Milliarden Euro steigen ließ, nicht mehr anfällt, könnte das Ergebnis unter diese Marke fallen. Als Risiken sieht Finanzvorstand Stefan Krause den schwachen Dollar, den schwachen Yen und hohe Rohstoffpreise.

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