Mehrarbeit bei Karstadt: Konzern fordert 42-Stunden-Woche

- München/Essen - Die Verlängerung der Arbeitszeit beschäftigt die deutsche Wirtschaft. Jetzt liebäugelt Karstadt-Quelle mit einer 42-Stunden-Woche in seinen Warenhäusern. Beim Tourismusunternehmen Thomas Cook, das dem Handelsriesen zur Hälfte gehört, steht bereits fest: Die Belegschaft muss mindestens ein Jahr länger ran. Und auch bei MAN in München wird diskutiert.

<P>"Notwendig ist eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 bis 42 Stunden pro Woche", sagte der Chef der Karstadt Warenhaus AG, Helmut Merkel, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". In den 212 Filialen von Karstadt, Hertie und Co. arbeiten rund 47 000 Menschen und damit fast die Hälfte aller Karstadt-Quelle-Mitarbeiter. In Westdeutschland treten sie derzeit 37 Stunden pro Woche, im Osten 38 Stunden an.<BR><BR>Merkel versteht seinen Vorschlag als Angebot an die Arbeitnehmerseite. Noch im Juli wird die Konzernspitze mit dem Betriebsrat über den vor einigen Wochen angekündigten Arbeitsplatzabbau in den Warenhäusern verhandeln. Bislang war von 4000 Stellen die Rede, die wegen der Konsumzurückhaltung der Verbraucher gestrichen werden müssten. "Verlängerte Arbeitszeiten wären ein Weg, die Zahl der nötigen Stellenstreichungen zu reduzieren", sagte nun Merkel. Er ließ jedoch offen, wie viele Stellen gesichert werden könnten. Auch äußerte er sich nicht dazu, ob den Angestellten die Mehrarbeit vergütet werden würde. Ein Sprecher des Essener Unternehmens machte gegenüber unserer Zeitung jedoch deutlich, dass Merkel keinen Ausgleich in Erwägung gezogen hat.<BR><BR>Die Arbeitnehmerseite lehnt den Vorschlag ab. "Eine Verlängerung der Arbeitszeit kommt nicht in Frage. Dann wird eher noch mehr abgebaut", sagte der Vorsitzende des Betriebsrates der Münchner Karstadt-Filialen, Peter Heselberger, auf Nachfrage. Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Betriebsratschef von Hertie in München. "Einem solchen Eigentor stimmen wir nicht zu", sagte Helmut Heitmeier. "Wenn einer vier Stunden mehr arbeitet, kann ich wieder einen entlassen."<BR><BR>Bei der Karstadt-Quelle-Tochter Thomas Cook hingegen hat der Betriebsrat einer Verlängerung der Arbeitszeit befristet auf ein Jahr zugestimmt. Mit der Geschäftsleitung einigte er sich darauf, die Wochenarbeitszeit der 2000 Mitarbeiter ab sofort um 1,5 Stunden auf 40 Stunden zu verlängern. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sammeln die Mitarbeiter des defizitären Tourismusunternehmens, die zusätzlichen Stunden auf Zeitkonten. Wenn der Konzern wieder Gewinne macht, sollen sie mit dem regulären Arbeitslohn vergütet werden - allerdings ohne den üblichen Überstundenzuschlag.<BR><BR>Auch bei MAN in München ist Mehrarbeit momentan ein Thema. "Wenn sich jetzt die 40-Stunden-Woche langsam wieder durchsetzt, wollen wir lieber vorn dabei sein als hinterherzulaufen", sagte MAN-Chef Rudolf Rupprecht. Die Arbeitnehmerseite hat dies nun kategorisch abgelehnt. "Der Betriebsfrieden ist erheblich gestört", sagte der Vorsitzende des Betriebsrates, Lothar Pohlmann. Die Belegschaft werde sich mit allen Mitteln gegen die Pläne der Konzernführung zur Wehr setzen.<BR><BR></P>

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