Mehrarbeit ohne mehr Lohn: Dafür bleibt MAN in München

- München - Der Bus- und Lastwagenhersteller MAN Nutzfahrzeuge hat sich im Ringen um Sparmaßnahmen mit der Belegschaft geeinigt und setzt nun weiter auf den Standort München. Bis 2012 will der Konzern 190 Millionen in sein Werk im Norden der Stadt investieren und auf Kündigungen verzichten. Die Mitarbeiter erklärten sich im Gegenzug dazu bereit, ohne Lohnausgleich mehr zu arbeiten.

Die rund 7000 Beschäftigten werden künftig ohne Lohnausgleich länger arbeiten. Nach langen Verhandlungen einigten sich Betriebsrat und IG Metall am Donnerstag darauf, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von derzeit 35 Stunden zu erhöhen. Nach

Arbeitszeit: 36 und 37 statt 35 Wochenstunden

Unternehmensangaben sollen Angestellte künftig 37 Stunden, Mitarbeiter in der Produktion 36 Stunden an ihrem Arbeitsplatz verbringen. MAN verzichtet bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen und sicherte Investitionen zu, um die 50 Jahre alte Fertigungsstätte zu modernisieren.

"Für die Arbeitnehmer ist das eine akzeptable Lösung", erklärte IG-Metall-Funktionär Harald Flassbeck. Andernfalls habe die Gefahr bestanden, dass Arbeitsplätze in das MAN-Werk in Polen verlagert werden würden. Eine Sprecherin betonte jedoch auf Nachfrage, dass der neu gebaute Standort in Krakau nicht als Druckmittel gedient habe. Derzeit kostet die Arbeitsstunde nach MAN-Angaben in Deutschland rund 30 Euro, in Polen aber nur fünf bis sechs Euro.

Nach Einschätzung der IG Metall könnte die Münchner Vereinbarung im Konzern Schule machen. So rechnet Heiner Flassbeck damit, dass das Modell am konzernweit größten Standort auch in den anderen MAN-Werken in Nürnberg, Salzgitter und dem hessischen Gustavsburg eingeführt wird. Konkrete Pläne dafür gibt es laut MAN aber noch nicht.

"Mit den vereinbarten Maßnahmen heben wir das Werk München auf ein völlig neues Produktivitätsniveau und verbessern damit entscheidend die Wettbewerbsfähigkeit am Standort München", sagte MAN-Nutzfahrzeuge-Chef Anton Weinmann. Durch die längeren Arbeitszeiten will der Konzern jährlich bis zu 24 Millionen Euro einsparen. Die Verlängerung soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass Weiterbildungsmaßnahmen künftig nicht mehr zur Arbeitszeit zählen.

Weitere 26 Millionen Euro jährlich soll die Modernisierung der Produktionsanlagen einbringen. Dafür will der Konzern 190 Millionen Euro ausgeben. Die Investitionen in die Anlagen waren nach Angaben von Flassbeck eine zentrale Forderung der IG Metall in den Verhandlungen: "Wir wollten verhindern, dass das Münchner Werk ausgetrocknet wird", so der IG-Metall-Mann.

Der im vergangenen Jahr angetretene MAN-Konzernchef Hakan Samuelsson hatte bereits im Frühjahr angekündigt, dass die deutschen Werke ihre Produktivität steigern müssten, um wettbewerbsfähiger zu werden. Konkurrenten wie Scania hätten deutliche Kostenvorteile, die durch längere Arbeitszeiten ausgeglichen werden müssten.

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