Mehrere tausend Jobs auf der Kippe

Opel-Krise: - Rüsselsheim - Beim Autobauer Opel stehen nach Betriebsratsangaben wegen Überkapazitäten erneut mehrere tausend Jobs sowie ein Werk in Europa auf der Kippe. Dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) drohten bei der Produktion der nächsten Generation des Kompaktwagens Astra massive Überkapazitäten.

Das sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der dpa. "Dabei gibt es eine zukünftige Lücke von 230 000 Einheiten. Das entspricht ungefähr der Kapazität eines Werkes wie Bochum oder Antwerpen." Am kommenden Dienstag werde das Management mit europäischen Arbeitnehmervertretern über den Abbau von Überkapazitäten verhandeln. Seit 2005 hatte GM im lange defizitären Europageschäft 12 000 Stellen gestrichen, die meisten bei der Tochter Opel.

Der US-Mutterkonzern will die Kosten für die Astra-Produktion künftig um mindestens 450 Millionen Euro senken, verlautete aus Konzernkreisen, die einen Bericht des Magazins "Capital" bestätigten. Dies sei das Ergebnis einer internen Hochrechnung. Ein GM-Europa-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Er verwies auf die laufenden Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat über die künftigen Produktionsstandorte für den Astra, die im März begonnen hatten.

"Eine Entscheidung wird erst zum Jahresende fallen", sagte der Sprecher in Zürich, es gebe keinen Zeitdruck. Franz erwartet dagegen schon eine Entscheidung nach der Sommerpause und sprach von einer "heißen Phase" der Verhandlungen. Im Fall von Stellenstreichungen kündigte Franz massiven Protest an. "Wir scheuen den Konflikt nicht."

Der Kompaktwagen Astra ist das meistverkaufte Opel-Modell. Um die Produktion der neuen Astra-Generation ab 2010 bewerben sich fünf Werke, die derzeit rund 17 000 Mitarbeiter beschäftigen. Dazu gehören Bochum, Antwerpen (Belgien), Ellesmere Port (England), Gliwice (Polen) und das Saab-Werk in Trollhättan. GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster hatte kürzlich mit weiterem Stellenabbau gedroht. "In einigen Werken könnte es sein, dass Leute entlassen werden. Wir wissen aber nicht, wo und wie viele Stellen", hatte Forster unterstrichen. "Die extreme Lösung wäre eine Werksschließung."

Laut "Capital"-Bericht rechnet die Konzernführung mit Überkapazitäten in Höhe von 280 000 Stück im Jahr 2010. Gründe seien der harte Wettbewerb und die rasant steigende Produktivität. Beim künftigen Astra solle die Fertigungszeit von derzeit durchschnittlich 24 Stunden pro Auto auf 15 Stunden sinken. Nach Worten von Forster steigt die Produktivität der europäischen Werke pro Jahr um bis zu vier Prozent. Um eine komplette Werksschließung zu verhindern, wollen Arbeitnehmervertreter den GM-Europa-Vorstand laut Pressebericht drängen, künftig in einem der Werke auch Modelle der GM-Tochter Chevrolet zu bauen.

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